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11.2011




Zürich : Welt-Bilder 4


von: Stefan Wagner

  
links: Georg Gatsas · Dancer I, 2009
rechts: Darren Almond · Fullmoon@Sesshu II, 2011


Was macht die verfallende Architektur neben einem Tarnanzug? Was wie eine surrealistische Brise vom Zürichsee ins Helmhaus hineinzuwehen scheint, ist bestenfalls eine Halluzination. Bis Mitte November geht es dort nüchtern dokumentarisch zu und her. Die Kuratoren Andreas Fiedler und Simon Maurer unternehmen in ‹Welt-Bilder 4› den Versuch, eine retinale Kartografierung der Welt einzufädeln. Das «Sehen» der Welt mittels Fotografie wird im Gespräch mit dem Migrationsforscher Mark Terkessidis, einem Konzert sowie der Vorführung des Dokumentarfilms ‹Manufactured Landscapes› erweitert. Ein Augenmerk legt die Ausstellung laut Katalogtext auf das Thema Migration.
‹Welt-Bilder› startete 2005 mit den beiden Neunzigerjahre-Shootingstars Wolfgang Tillmans und Boris Mikhailov, die mit schweizerischen Fotografiepositionen wie Shirana Shahbazi oder Cat Tuong Nguyen angereichert wurden. Das wiederholte sich 2008 und 2010 mit anderen Beteiligten. Der Ausstellungspalmarès füllte sich mit schillernden Namen wie Candida Höfer, Olafur Eliasson und Alfredo Jaar. 2011 fehlen die Top-Shots. Ob das nun auf sparsame Einkehr oder die manchmal zitierte Krise der Fotografie zurückzuführen ist? Beeindruckend sind auf jeden Fall die Aufnahmen Edward Burtynskys, der die Hinterlassenschaften der Ölförderung festhält. Ihm steht Darren Almond gegenüber, der in fast schon holländischer Landschaftsmalereimanier ästhetisierte Naturmotive im Mondlicht einfängt. Auf solchen Gegenüberstellungen baut ‹Welt-Bilder 4› auf. Noch ein Beispiel gefällig? Der für seine Riesenformate bekannte Beat Streuli zeigt mit ‹Quai de l'industrie›, 2009, im Stau stehende Autos. Diese Welt der Technik opponiert mit den Nomaden, welche die Norwegerin Mette Tronvoll in der Mongolei einfing. Denken die einen an Autos und die anderen an einsame Landschaften? Wohl eher gewagt, als Denkfigur aber spannend, ist der Vergleich der Soldaten in Kampfmontur, die Tronvoll beim Antiterrortraining fotografierte und Georg Gatsas Bildern der Londoner Dubstep-Szene. Wer übt welche Bewegungen ein und mit welchen Absichten? Die einen exerzieren in Uniformen und bewaffnet zwischen Bäumen, die anderen tanzen und posieren in den für Subkulturen typischen Bewegungen sowie entsprechenden Kleidertypologien. Was bei beiden übereinander fällt, sind die unterschiedlichen performativen Ordnungen und als Konsequenz die Markierung und Besetzungen von Territorien.

Bis: 13.11.2011



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Ausgabe 11  2011
Ausstellungen Welt-Bilder [04.09.05-30.10.05]
Institutionen Helmhaus [Zürich/Schweiz]
Autor/in Stefan Wagner
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