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Besprechung
12.2011


Alice Henkes :  Auf Einladung des Centre Dürrenmatt in Neuchâtel liess sich Videokünstlerin Elodie Pong vom Werk des gewichtigen Schweizer Dichters und Dramatikers Friedrich Dürrenmatt zu raffiniert-schlicht inszenierten Videoinstallationen anregen, die das Verhältnis zwischen Kunst und Publikum ausloten.


Neuchâtel : Elodie Pong, ‹MY-THOLOGY›


  
links: Elodie Pong · The Artist, The Subjects and The Audience, 2011, Videostill, Courtesy Freymond-Guth Fine Arts.
rechts: Elodie Pong · Walz, 2011, Videostill 2, Courtesy Freymond-Guth Fine Arts.


Der Blick über die Spartengrenzen bietet Kulturschaffenden interessante Möglichkeiten, Arbeiten im interkulturellen Kontext zu positionieren. Junge Kunstschaffende verweisen gern auf Texte oder Filme, um den Bedeutungsrahmen für ihr Werk vorzubereiten. Eine vertiefte Reibung erwartet man, wenn eine renommierte Künstlerin sich mit dem Werk eines Schweizer Literaten von Weltrang auseinandersetzt. Das Centre Dürrenmatt hat die in Zürich lebende Videokünstlerin Elodie Pong (*1966) eingeladen, eine Werkreihe mit Bezug auf den Dichter und Dramatiker Friedrich Dürrenmatt zu schaffen, die nun begleitend zur Dauerausstellung zu sehen ist.
‹MY-THOLOGY› nennt Pong ihre Annäherung an Dürrenmatt, die aus vier Videoinstallationen und einigen Textbildern besteht. Das Thema ist gut gewählt, hat doch Dürrenmatt sowohl als Autor wie auch in seinen Zeichnungen und Bildern immer wieder mit Figuren sowohl der biblischen Geschichte wie auch der griechischen Mythologie gearbeitet. Elodie Pong frischt diesen Figurenfundus gleichsam auf. Die Verbindung zu Dürrenmatt hat die Künstlerin dabei bewusst locker geknüpft. In den Videoarbeiten ‹Subjects 1 & 2› und ‹Walz›, die gleich einem Triptychon angeordnet sind, schlüpfen sie und ein männlicher Akteur in markante Posen, die an berühmte Statuen wie den David von Michelangelo oder an Gesten aus der Pop-Ikonografie wie John Travoltas Tanzpose aus ‹Grease› denken lassen. In ‹Walz› ist dieses Posieren eingebunden in ein leicht schunkeliges Tänzchen, dazu spielt eine laue, etwas monotone Musik, und auf die Wand hinter den Tanzenden werden alte Weltkarten projiziert. Neben der globalen Allgemeingültigkeit bestimmter Gesten und Bilder klingt hier auch das Verhältnis von Darsteller oder Künstler und Publikum an, gerieren die Posen sich doch auch als eine Art Rätsel oder Scharade. Nicht jede Geste entschlüsselt sich sofort. Deutlicher noch wird diese Befragung von Kommunikationsprozessen zwischen Künstler und Publikum in dem Video ‹The Artist, The Subject and The Audience›, 2011, in dem Pong dem Betrachter gleichsam Versatzstücke möglicher Figuren, Handlungen und Bühnenaufbauten anbietet, ohne sie im Sinne einer Handlung zu verknüpfen. Das wirkt ein wenig so, als schaue man in den Kopf eines Dramatikers, der noch unentschieden ist, wie er sein Stück aufbauen soll, und der eine Handvoll halbfertiger Figuren in einem minimalistischen Bühnenbild herumschiebt.

Bis: 18.12.2011



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Ausgabe 12  2011
Ausstellungen Elodie Pong [04.09.11-19.12.11]
Institutionen Centre Dürrenmatt [Neuchâtel/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Elodie Pong
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