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Besprechung
12.2011


 Schlossgleich thront das Arp Museum über dem Rhein. Vom amerikanischen Architekten Richard Meier mit Fensterfronten und Terrassen zum Wasser und zum Siebengebirge hin ausgerichtet, bietet sich das 2007 eröffnete Gebäude als Ausflugsziel an. Aktuell finden zwei Landschafts-Ausstellungen statt.


Rolandseck : Belvedere. Warum ist Landschaft schön?


  
Falk Haberkorn/Sven Johne · The Brocken is a German, 2010, 3 Fototafeln (Ausschnitt), je 155 x 185 x 5,5 cm, Courtesy Klemm's, Berlin


‹Rheinromantik. Mythos und Marke› im klassizistischen Bahnhof unterhalb des Museums thematisiert den deutschen Strom als vielfach besungenes und verwertetes Sujet. ‹Belvedere. Warum ist Landschaft schön?› im Meier-Bau bietet sperrigeren Stoff - statt der Schönheit zu huldigen wird deren Konstruktion analysiert. Inspiriert vom Basler Soziologen Lucius Burckhardt (1925-2003) zeigen die Kuratorinnen Anne Kersten und Christine Heidemann anhand von gut zwanzig zeitgenössischen Positionen, wie Landschaft gedacht und gemacht wird, wie wir sie vereinnahmen und instrumentalisieren. «Die Landschaft ist ein Konstrukt», formulierte Burckhardt 1979, sie befindet sich ausschliesslich «in den Köpfen der Betrachter».
Die Ausstellung legt verschiedene Stränge: Die gezielte Fabrikation zeigt besonders drastisch KP Brehmer (1938-1997) mit seiner «idealen Landschaft» als Vermarktungskonzept. Mark Dion (*1961) fertigte speziell für die Ausstellung ein hübsches Miniaturtheater an, das in Form hintereinander gestaffelter Kulissen die zeitliche Abfolge menschlicher Inszenierungen von Natur vorstellt. Eine andere Fährte gilt der Bewegung, dem kritischen Flanieren und Wandern, von Burckhardt in der ‹Spaziergangswissenschaft› reflektiert. Symbolische Fussabdrücke von Hamish Fulton ebenso wie eine Inschrift von Laurence Weiner legen nahe, die idealen Rahmungen durch Bewegung aufzubrechen. Drei vierstündige, fotografisch dokumentierte Wanderungen an einem Tag haben Falk Haberkorn (*1974) und Sven Johne (*1976) unternommen. Am 17. Juni (ehemals Tag der deutschen Einheit) 2010 liefen sie um den Brocken im Harz herum, auf säuberlich befestigten Wegen, die sich bspw. ‹Heinrich Heine Trail› nennen und einzig an der ‹Former German German Border› ein wenig wild romantischer daherkommen. Das hartnäckige Umkreisen von geografischen Orten, mit dem Ziel, ihrem nationalen und historischen Ver- und Gebrauch auf die Spur zu kommen, findet auch in Pia Lanzingers (*1960) ‹Verhängnisvolle Rahmungen› statt. Im Zentrum des Projekts steht mit dem Berghof am Obersalzberg bei Berchtesgaden Hitlers zweiter Regierungssitz, auf dem der Nazi-Führer die umgebende traumhafte Landschaft fatal zu instrumentalisieren wusste. Während ich per Bahn den grossen Schleifen des Rheins folgend zurück in die Schweiz reise, holen mich trotz allem romantische Gefühle ein. Dem «Ideal des lieblichen Ortes» - so Burckhardt - vermag man kaum zu entrinnen.

Bis: 04.03.2012



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Ausgabe 12  2011
Ausstellungen Belvedere [04.09.11-04.03.12]
Institutionen Arp Museum Rolandseck [Remagen/Deutschland]
Künstler/in Mark Dion
Künstler/in Falk Haberkorn
Künstler/in Pia Lanzinger
Künstler/in Sven Johne
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