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12.2011




Basel : Edgar Arceneaux


von: Verena Kuni

  
links: Edgar Arceneaux · Untitled, 2011, Acryl, Grafit auf Papier, 2011, 43,2 x 320 cm
rechts: Edgar Arceneaux · Untitled, 2011, Kohle, Kreide und Grafit auf Papier, 61 x 45,7 cm


Es ist kein Eis, das da im Dunkel glitzert. Stösst man den am langen Seil von der Decke hängenden Eimer mit der Lampe an, fällt mit jedem Ausschwingen des Pendels Licht auf eine seltsame Szenerie. Hoch aufgebockt in Lagerregalen: Kisten und Pappkartons, gefüllt mit Papieren und anderem Material. Identifizieren lassen sich die Inhalte jedoch nicht. Denn wie eine weitere Kiste, die greifbar nah auf dem Boden steht, sind die Kartons von Ablagerungen überzogen. Eine dunkle Schicht, die alles durchdringt, hie und da hell auskristallisiert. Zucker. Ein düsteres, apokalyptisches Szenario, zumal man zuvor eine ganze Passage ähnlich gefärbter Bilder durchschritten hat: Nachgedunkelte Zeitungen, die von aufgegebenen Produktionsstätten, Arbeitslosigkeit, aufbrechenden Konflikten und Gewalt berichten, mit schwarzen Balken übermalt und weitgehend unleserlich gemacht. Dazwischen filigrane Grafiken, die von fern wie futuristische Planetenlandschaften wirken - sich bei näherem Hinsehen jedoch als Imaginationen verlassener Industrielandschaften, Ruinen eines gescheiterten Fortschrittsglaubens offenbaren. Zerborstene Kometen, die verloren durch einen Kosmos taumeln, der keine Zukunft mehr kennt. Eine Passage aus Bannern, auf denen monströse Kompositfiguren prangen, deren verdrehte Gliedmassen nicht zueinander finden wollen - ebenso wenig wie die Schriftzeichen, die von dem erzählen, was verloren ging: HSOUNIG. EDCAITOUN. PUILBC SIVEERCS. Bilder einer Welt, die zerbrochen ist und nicht mehr zusammengesetzt werden kann.
Im weiteren Rundgang durch Edgar Arceneaux' Ausstellung wird man allerdings nicht nur auf jene Arbeiten stossen, deren Titel über der Basler Schau wie ein düsteres Memento schwebt: ‹Hopelessness Freezes Time›. Sondern auch auf einen Raum, in dem einander überlagernde Projektionen Fenster auf andere Perspektiven aufzustossen scheinen. Sicher: Auch hier sehen wir - auf flackerndem Film und in einer Sequenz von Standbildern - eine Reise ins Nirgendwo. Ein alter Wagen, der in der Wüste durch ein Spiegelglas gelenkt wird, das in grosse Stücke birst. Die Realität, die sich hinter dem Trugbild zeigt, ist ebenso wie dieses öd und leer. Indessen blitzen in einer weiteren Projektion andere Bilder auf: Gleissende Gestirne, Luftballons, die in den Himmel steigen, Schaum der Zeit. Flüchtig wie Erinnerungen, die von einer anderen Zukunft träumen lassen und zugleich signalisieren, dass ihre Schönheit nicht zu fassen, nur im Jetzt des Moments, in der Gegenwart zu erfahren und zu begreifen ist. Funkelnde Kristalle, löslich wie Zucker. Aber wie dieser: Batterien reiner Energie.

Bis: 01.01.2012



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Ausgabe 12  2011
Ausstellungen Edgar Arceneaux [24.09.11-01.01.12]
Institutionen Kunstmuseum Basel/Gegenwart [Basel/Schweiz]
Autor/in Verena Kuni
Künstler/in Edgar Arceneaux
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