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12.2011




Darmstadt : Ernst Ludwig Kirchner als Architekt


von: Grit Weber

  
links: Kirchner · Herrenzimmer, 1904, Tusch, Bleistift, Gouache und Aquarell auf Papier, 24,2 x 21,5 cm, Courtesy Henze-Ketterer, Wichtrach/Bern
rechts: Kirchner · Schlösschen für einen Kunstliebhaber, 1904/05, Tuschfeder, Bleistift und Gouache auf Karton, 26,5 x 38,5 cm, Courtesy Henze-Ketterer, Wichtrach/Bern


Es ist immer mal interessant zu schauen, wo eine Geschichte beginnt und ob vor diesem etablierten Beginn nicht vielleicht noch eine andere Geschichte verborgen liegt, die es lohnt zu erzählen. Von Ernst Ludwig Kirchner ist sein Architekturstudium in Dresden als biografische Note durchaus bekannt, doch was an Ideen und Entwürfen hat sich aus dieser frühen Kirchner-Zeit noch erhalten? Und vor allem: Kündigt sich in diesen architektonischen Blättern schon jener grafische Stil an, der sich nur kurz nach dem Abschluss seines Studiums und mit der Gründung der Brücke-Künstlergruppe so fulminant ins historische Gedächtnis einschrieb? Und weiter: Finden wir in Kirchners freien künstlerischen Arbeiten, die er in Dresden, Berlin, Davos anfertigte, räumliche Elemente, die auf seine solide Ausbildung zum Architekten zurückzuführen wären? Leider bleibt die Ausstellung die Antworten auf die letzten beiden Fragen schuldig. Gezeigt werden aber all jene Dokumente, Zeichenbücher, Skizzen zu Interieurs und meisterlich ausgeführten Entwurfsblätter, die während seiner Ausbildung zwischen 1901 und 1905 entstanden.
In Dresden lernte der Künstler neben Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff auch seinen Kommilitonen Fritz Bleyl kennen, mit dem er das Architekturstudium abschloss, um sich kurz darauf gegen den Beruf des Architekten zu entscheiden. Einige wenige Arbeiten dieser Malerkollegen öffnen zum Ende hin vorsichtig den Blick auf Kirchners Fortgang als Künstler. Zu Anfang der Schau werden dagegen seine Architekturlehrer Paul Wallot und Fritz Schumacher mit Beispielbauten eingeführt. Begünstigend für die Kirchner-Forschung ist, dass der Künstler seine gesamten Arbeiten wie auch sein Material zur Diplomarbeit in die Schweiz mitnahm, in der er seit 1917 lebte und arbeitete. Nichts wurde in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs in Berlin zerstört, wie bei vielen anderen expressionistischen Künstlern. Kirchner ist also bestens dokumentiert. Aus diesem Fundus schöpft Katharina Siegmann, die Kuratorin der kleinen Ausstellung, und stellt vor allem aus dem Skizzenmaterial und den akribisch ausgeführten Entwurfszeichnungen des Architekturstudenten Kirchner eine in einzelne Projekte gegliederte Schau zusammen. Zu erkennen ist ein Kirchner, in dessen Blättern vor allem Anklänge einer historistischen Architektur und, weit mehr ausformuliert, die neue Formensprache des Jugendstils einflossen.

Bis: 08.01.2012



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Ausgabe 12  2011
Ausstellungen Ernst Ludwig Kirchner [02.10.11-08.01.12]
Institutionen Institut Mathildenhöhe [Darmstadt/Deutschland]
Autor/in Grit Weber
Künstler/in Ernst Ludwig Kirchner
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