Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
12.2011




Düsseldorf : Die andere Seite des Mondes


von: Katja Behrens

  
links: Claude Cahun · Autoportrait, 1933, 10,8 x 8 cm, Courtesy Jersey Heritage Trust
rechts: Dora Maar · Sans Titre (Main-coquillage), 1934, Silbergelatineabzug, Fotomontage, 37,5 x 27 cm (Foto), Courtesy Centre Pompidou, Mnam/Cci, Paris © ProLitteris


Sophie Taeuber stickt, webt, knüpft und malt, sie tanzt, zeichnet und entwirft, choreografiert, näht, bildhauert, als Tänzerin performt sie bei dadaistischen Soiréen. Die Arts-and-Crafts-Bewegung, Dada und die Vorwegnahme der grundlegenden Ideen des Bauhauses prägten ihr Arbeiten und Unterrichten ebenso wie ihre kritische Haltung zu Kunstwerk und Künstlerselbstverständnis. Zürich ist für einige Jahre ein Zentrum der Avantgarde und Sophie Taeuber (1889-1943), Multi-Media-Künstlerin der ersten Stunde, mittendrin. Leider aber erging es ihr wie vielen ihrer Kolleginnen, die in den Aufbruchsjahren zum engeren Zirkel gehörten: Am Ende blieben sie doch meist in der zweiten Reihe.
Die wichtige Rolle der Künstlerinnen in den avantgardistischen Bewegungen der Zwanziger- und Dreissigerjahre und ihre massgebliche Beteiligung an den ästhetischen Neuerungen ihrer Zeit muss heute nicht mehr bewiesen werden. Daher legt die Düsseldorfer Ausstellung ‹Die andere Seite des Mondes› ihr Augenmerk auf die engen Kontakte und Kollaborationen der Künstlerinnen untereinander.
Jetzt können Claude Cahun, Dora Maar, Sonia Delaunay, Florence Henri, Hannah Höch, Sophie Taeuber, die polnische Bildhauerin Katarzyna Kobro und Germaine Dulac, Autorin des ersten surrealistischen Films überhaupt, nicht nur als herausragende Künstlerinnen mit einem singulären Werk endlich einmal zusammen gesehen werden, sondern auch als Netzwerkerinnen in Erscheinung treten.
Warum aber half den Künstlerinnen ihre emsige Kontaktpflege letztlich doch nicht bis in den Kunstmarkt, die Museen und Sammlungen hinein? Waren ihre meist kleinformatigen Werke, die moderner, flexibler, experimenteller sein mochten, am Ende doch zu klein? Offenbar konnten sie mit den grossen Gesten der männlichen Kollegen um die Mitte des Jahrhunderts, als der Kanon für den Kunstmarkt festgeschrieben wurde, nicht mithalten. Heute mag die Missachtung der Grenze von Kunst und Kunsthandwerk wieder hip sein. Damals, irgendwann, war sie ein Grund zu lächeln.
Dada, Konstruktivismus, Surrealismus, Malerei, Fotografie, Collage, Film, Skulptur, Mode - die Ausstellung versammelt 230 wunderbare Bilder und Objekte, die schlüssig zeigen, dass die Erneuerung des Ornaments auch auf einem Pompadour-Täschchen stattfinden konnte oder an futuristischen Marionetten, und dass das neue Selbstverständnis nicht nur die Rolle der Frau im Kulturbetrieb, sondern gleich auch ihr Geschlecht zur Diskussion stellen konnte.

Bis: 15.01.2012



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 12  2011
Ausstellungen Die andere Seite des Mondes [22.10.11-15.01.12]
Institutionen K20 Kunstsammlung NRW [Düsseldorf/Deutschland]
Autor/in Katja Behrens
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=111125152120E2T-25
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.