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12.2011




Genève : Jonathan Delachaux


von: Alice Henkes

  
links: Jonathan Delachaux · Le Monde est une chanson triste (Ping Pong avec Jacques Houssay), 2011, Acryl auf Leinwand, 2 x 150/105 cm
rechts: Jonathan Delachaux · Somewhere with Jean-Louis Costes, 2010, Acryl auf Leinwand, 4 x 240/100 cm


Ganz real und doch vollkommen fiktiv sind die Figuren, die Jonathan Delachaux (*1976) malt. Mit betörender Konsequenz lässt er Wirklichkeit und Inszenierung, Leben und Kunst ineinandergreifen und schafft eine eigene kunstvolle Welt, in der Identität und Selbstverortung subtil hinterfragt werden. Wie ein Schriftsteller das Personal eines Romans entwickeln kann, indem er verschiedene Aspekte seiner selbst zu Figuren verdichtet, so hat auch Delachaux in seinem Werk Figuren ins Leben gerufen, die gleichsam aus ihm selbst entsprungen sind. Naïma, Johan und der leicht autistische Vassili leben nicht nur in den Bildern Delachaux', sie existieren durchaus real, als lebensgrosse Puppen. Bereits seit 1996 lebt und arbeitet der Künstler, der an der Ecole Supérieure d'Art Visuel in Genf studiert hat, mit diesen plastisch existenten und doch fiktiven Gefährten, die längst ein kreatives Eigenleben entwickelt haben. So geben die Figuren Konzerte, die zwar virtuell sind, deren Musik indes auf CD verfügbar ist. Vassili ist künstlerisch tätig und kreiert Marionetten, die ihm und seinen Puppen-Gefährten gleichen und dabei auf wundersame Weise an Tony Ourslers Projektionen erinnern. Im Diptychon ‹Le monde est une chanson triste (Ping Pong avec Jacques Houssay)›, 2011, lässt Delachaux seine Kunstfiguren vor ihren künstlichen Abbildern stehen und schafft so eine Situation ähnlich der unendlichen Reihe von Spiegelungen, die über Eck stehende Spiegel erzeugen. Eine andere Arbeit zeigt Vassili mit einem Bild in der Hand, das ein reproduziertes Foto von Jed Martin sein soll, einem fiktiven Künstler, der dem letzten Roman von Michel Houellebecq ‹Karte und Gebiet› entstammt. Scheinbar spielerisch schiebt Delachaux immer weitere Virtualitäts­ebenen in sein Werk. Dazu gehört auch, dass er seine Bilder nicht direkt auf die Leinwand malt, sondern auf eine transparente Folie, die anschliessend auf die Leinwand gelegt wird. Die Technik ähnelt der Hinterglasmalerei und schafft visuell Distanz durch eine ganz leichte Verschwommenheit. An und in Delachaux' Werk, das eher als spartenübergreifendes Gesamtkonzept denn als Serie einzelner Bilder zu fassen ist, partizipieren auch reale Künstler. Die Serie ‹Somewhere with Jean-Louis Costes›, 2010, zeigt Delachaux' Figuren in gemeinsamer Aktion mit dem französischen Performance-Künstler Jean-Louis Costes. Mit dem Autor Jacques Houssay entsteht unter dem Titel ‹Ping Pong› eine Bild-Text-Kooperation, ein Austausch gegenseitiger Anregungen und Inspirationen.

Bis: 23.12.2011



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Ausgabe 12  2011
Ausstellungen Jonathan Delachaux [29.10.11-23.12.11]
Institutionen Galerie Varenne [Genève/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Jonathan Delachaux
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