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12.2011




Italien : Arte povera


von: Ute Diehl

  
Michelangelo Pistoletto · Venere degli stracci, 1967, mixed media, 150 x 280 x 100 cm. Foto: Paolo Pellion


Die Arte povera gilt als wichtigste Bewegung der Nachkriegskunst in Italien. In den Sechzigerjahren entwickelt, galt sie als Symbol der Revolte gegen den Kunstmarkt. Den Begriff ‹Arte povera› prägte der Kunstkritiker Germano Celant, als er 1967 in seiner Heimatstadt Genua eine Ausstellung von jungen Künstlern organisierte, die mit einfachen Materialien wie Kohle, Kupferdraht und Steinen arbeiteten. Seit fünfundvierzig Jahren ist Celant (71), der heute die Kunststiftung des Modehauses Prada leitet, Weggenosse und Vermittlungsstratege für 13 Künstler, denen er durch seine einheitsstiftende Bezeichnung ‹Arte povera› auch international zum Durchbruch verhalf. So erzielte die Kunst der «armen» Mittel sehr schnell Höchstpreise bis hin zur Rekordsumme für einen Wandteppich von Alighiero Boetti, 1989, der im Juni 2011 bei Christie's in London für € 2'214'600 versteigert wurde.
Er habe lange davon geträumt, «das Radikale der Arte povera in seiner Entwicklung über Jahrzehnte bis heute zu rekonstruieren», sagt Celant. Kein Museum sei dafür aber ausreichend gross gewesen. Jetzt stehen ihm für sein Projekt 15'000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Dank der gemeinschaftlichen Anstrengung von acht staatlichen Museen und finanziert von Geldern zur Feier des 150-jährigen Bestehens des Einheitsstaates Italien 2011, ist die Arte povera in diesen Monaten in Italien fast flächendeckend präsent. Das Museum MAMBO in Bologna hat rund zwanzig Installationen für die Rekonstruktion einer Ausstellung zusammengeführt, die Celant 1968 in der Galleria De' Foscherari eingerichtet hatte. Publikationen und Filmmaterial zeigen, wie lebhaft damals über den erweiterten Kunstbegriff debattiert wurde. Drei Künstler - Kounellis, Penone und Zorio - ergriffen mit grossen Installationen vom römischen Museum MAXXI Besitz. Ein Kanu von Zorio ragt hoch oben aus dem exzentrischen Bau Zaha Hadids. Im Schloss von Rivoli bei Turin stellt Celant unter dem Titel ‹Arte povera international› Querverbindungen und Parallelen zur Land Art und Concept Art her. In Neapel erinnert das Museum MADRE an die drei «Aktionstage», die Celant im Oktober 1968 unter dem Titel ‹Arte povera + Azioni povere› in einer alten Schiffswerft in Amalfi veranstaltete. Sehr umfangreich wird die Arte povera in Mailand in den Räumen der Triennale vorgestellt. Die Nationalgalerie für Moderne Kunst in Rom zeigt mit Schwerpunkt auf den Künstler Pino Pascali (1935-1968) Werke der Arte povera aus eigener Sammlung, während die Galleria d'Arte Moderna in Bergamo den Arte-povera-Künstlern den urbanen Raum für Installationen zur Verfügung stellte. Ein von Celant besonders geschätzter Ausstellungsort ist das auf Stelzen im Hafenwasser stehende Teatro Margherita in Bari.

Bis: 11.03.2012



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Ausgabe 12  2011
Ausstellungen Arte povera alla GNAM [07.12.11-04.03.12]
Ausstellungen Arte povera 1967-2010 [25.10.11-29.01.12]
Ausstellungen Arte povera + Azioni povere 1968 [15.10.11-01.04.12]
Ausstellungen Arte Povera International [09.10.11-19.02.12]
Institutionen Galleria Nazionale d'Arte Moderna [Rom/Italien]
Institutionen Palazzo della Triennale [Milano/Italien]
Institutionen MADRE [Napoli/Italien]
Institutionen Castello di Rivoli [Rivoli/Italien]
Autor/in Ute Diehl
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