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12.2011




Zürich : Unter Strom


von: Brita Polzer

  
links: Christina Hemauer, Roman Keller · Die Unfreiheit der Elektronen, 2011, Installation, Performance. Foto: Hemauer/Keller
rechts: Jan-Peter E.R. Sonntag · SonArc::ion-part4, 11 sinuswave-generators, 3 noise-generators u.a.


Was wissen wir schon von der Elektrizität, die wir alle täglich so selbstverständlich nutzen? Fast nichts! Die Ausstellung in der Shedhalle führt mit elf Positionen an das Phänomen heran, wobei sich nüchterne technische Fakten und zauberhafte Erscheinungen in einer Art grossen Wunderkammer überraschend und sehr interessant ergänzen. Aus dem Dunkel des Raums leuchten überall Lichter auf, welche man teilweise selbst erzeugen muss. Indem man beispielsweise eine Handtaschenlampe durch beständiges Kneten zum Leuchten bringt oder auf Fahrrädern oder in einer Art Hamsterrad Strom erzeugt. Die Gruppe Party Manuel (Valentin Altorfer, Marina Belobrovaja, Frank Landes) stellt eine ganze Anlage vor - Discokugel, Musikanlage, Barbetrieb -, die einzig mit Muskelkraft funktioniert. Mit einem Velo lassen sich grad einmal eine 50-Watt-Glühbirne zum Leuchten oder zwei Plattenspieler zum Laufen bringen. Für einen Fön oder ein Bügeleisen würden diese Art neben Strom auch Fitness erzeugenden Aktivitäten nicht ausreichen. Bringt das ‹Party Manual› die fatale Situation des weltweit beständig steigenden Energiebedarfs wahrhaft «ans Licht», wollen andere Positionen die Verkabelung unserer Realität sichtbar machen. Im Raum von Clemens Winkler stehen kleine kartonartige Kästen mit einem Loch, aus dem sich ein - bisweilen vibrierender - Faden durch den Raum spannt. Man hört ein Summen und Sirren, das man einer unsichtbaren und durchaus gewaltigen Kraft zuschreibt. Der Künstler ist durch Schweden gewandert und hat elektromagnetische Kraftfelder und Wellen aufgenommen. Statt Landschaftsbilder lässt er elektrische Wolken sprechen, statt visueller Daten bietet er ein Rauschen, Surren und Knacken an. Gänzlich geisterhaft wird es bei Jan-Peter E.R. Sonntag. Der mit mehreren Installationen vertretene Künstler setzt den e-Smog der Shedhalle in einen beständigen feinen Ton um, und in ‹SonArc::ion - prologue› gewährt er Einblick in einen verborgenen, äusserst geheimnisvollen Erschaffungs- oder Kompositionsprozess. Während in gleichsam dunkler Höhlentiefe bei spärlichem grünem und blauem Licht eine mysteriöse Belegschaft sanft an sensiblen Gegenständen hantiert, hört man verschiedene Stimmen. Edison spricht von einem derartig sensiblen Instrumentarium, dass sich mit dessen Hilfe die Toten würden melden können. Einige weitere Beteiligte sind: Julieta Aranda, Christina Hemauer/Roman Keller und Hörner/Antlfinger.

Bis: 18.12.2011



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Ausgabe 12  2011
Ausstellungen Kunst und Elektrizität [07.10.11-18.12.11]
Institutionen Shedhalle [Zürich/Schweiz]
Autor/in Brita Polzer
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