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Editorial
1/2.2012





  
TITELBILD · Tobias Zielony · The Message, 2009-2011, Fotografie, Courtesy KOW Berlin


Wer ist der Bote, der hier seine Nachricht vor einer anonymen Fassade in die Welt ruft? Die Fenster sind verschlossen, weit und breit kein Mensch. Sie fragen sich vielleicht, weshalb wir diese Aufnahme für unsere Titelseite ausgewählt haben. Geht's um das von diesem ‹Messenger› verkörperte prekäre und gleichzeitig kämpferische Lebensgefühl, um seine jugendliche Energie oder bloss um den blauen Himmel, der sich in den Scheiben spiegelt?
«Das Medium ist die Botschaft» liess uns der kanadische Medientheoretiker, Philosoph und Geisteswissenschaftler Marshall McLuhan wissen. Es gehört zum Wesen der Kunst, dass das Medium, die visuelle Ausdrucksform immer wieder neu hinterfragt wird. Die Antworten können vergleichsweise komplex sein. Auf den nächsten Seiten erfahren Sie, wo der Fotokünstler Tobias Zielony diese Szene aufgenommen hat. In langjährigen Studien spürt er Jugendlichen nach und fasst deren Alltag in sprechende Bilder. Mit Blick auf McLuhan fragen wir uns nun: Wer ist hier das Medium? Der coole Typ mit seiner in den Nacken geschobenen Baseball-Mütze? Der Fotograf, der diese Geste festgehalten hat? Geht es um die Fotografie als solche? Um die Ikonografie des Bildes?
Vielleicht liegt die Kraft der Aufnahme genau darin: Sie ist offen und lässt uns nachdenken über Nachrichten, die wir mehr ahnen als hören, über Bilder und Sprache in einer so nüchternen, gesichts- und geschichtenlosen Umgebung, über künstlerische Medien, über ihre Macht und ihre Grenzen. Kunst hat immer etwas mit Botschaften zu tun - und damit, wie diese formuliert werden. Selten kommen diese auf direktem Wege bei den Empfängerinnen und Empfängern an. Meist machen sie Umwege, benötigen Go-Betweens, bis sich dann - so hoffen wir - ein Fenster öffnet, weil sich jemand überraschend angesprochen fühlt.



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Ausgabe 1/2  2012
Autor/in Claudia Jolles
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