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Hinweis
1/2.2012




Basel/St.Gallen : Josef Felix Müller


von: Karlheinz Pichler


links: Josef Felix Müller · Lichträume (Lenzerhorn), 2011, Öl auf Leinwand
rechts: Josef Felix Müller · Zwei Liegende, 1998, Pappel bemalt


Mit unverblümten Darstellungen des Triebhaften, etwa seinen Nachtbildern mit überlangen kopulierenden Figuren, schockierte der St. Galler Künstler in den Achtzigerjahren die Öffentlichkeit und provozierte einen Skandal, der ihn bis vor den Europäischen Gerichtshof brachte. Nach seinen «wilden Jahren», in deren Gefolge er in den Neunzigerjahren auch die Kunst Halle St. Gallen mitbegründete, liebt Josef Felix Müller (*1955) es heute gemächlicher. Da seine Art, aus Linden- und anderen Hölzern mit der Motorsäge grobe, expressionistische Figuren herauszufräsen, viele Nachahmer gefunden hat, verabschiedete er sich von der Bildhauerei und wandte sich mehrheitlich der Malerei zu. Die Art, wie er diese «neue» Gattung pflegt, erinnert in ihren Grundzügen an die Impressionisten. Müller bewegt sich «pleinair» in der Natur. Allerdings nicht mit Staffelei und Palette, sondern mit der Digitalkamera. Er fotografiert Motive wie Berge, Bäche, Quellen oder Wälder, speist sie ins Computerarchiv ein, um dann gezielt ausgewählte Sujets in langen Sitzungen in Öl auf die Leinwand zu bringen. Einer Welt überdrüssig, die sich sukzessive selbst an den Abgrund richtet, erkundet er seine persönlichen Paradiese und ermalt sich sozusagen eine von persönlichen Empfindungen getragene Gegenwelt. Eine Gegenwelt, die auf den ersten Blick der natürlichen Vorlage fast fotorealistisch die Hand reicht.
Obwohl St. Gallen sein Heimatort ist und er von dort aus seine künstlerischen Umtriebe gestartet hat, ist seine jetzige Ausstellung ‹Sangallensia III› in der Galerie Christian Roellin nach derjenigen im Kunstmuseum (1992) und jener in der neuen Kunst Halle (2006) erst die dritte Ausstellung in der Stadt. Und weil dies so ist, werden in der Galerie nicht nur die neuesten Werke präsentiert, sondern eine speziell auf die Räume zugeschnittene Auswahl erlesener Exponate, die sich zu einer kleinen Retrospektive über die letzten zwei Jahrzehnte seines Schaffens verschränken. Die älteste Arbeit, ein in Öl auf Papier gemalter ‹Kopf›, datiert ins Jahr 1991. Ein ‹Blaues Mädchen›, 1997, aus Weidenholz, und ‹Zwei Liegende›,1998, aus bemalter Pappel, die das Untergeschoss monumental besetzen, zeugen von der expressionistischen figurativen Macht des Künstlers. Neuere Ölbilder, wie das in gleis­sendes, goldenes Licht getauchte Lenzerhorn, ‹Lichträume›, beschliessen einen zeitlichen Horizont, in dessen Rahmen Bild und Skulptur einen überaus sinnlichen Dialog beschreiben.
Hier knüpft die in der Galerie Stampa in Basel gezeigte neuste Werkserie ‹Spiegelungen› an, die ganz dem Medium Wasser gewidmet ist und die Müller wie folgt kommentiert: «Es interessiert mich sehr, diese natürliche Verwandlung der Landschaft durch Wasser und Licht in meiner eigenen Art zu malen und somit in einer neuen sinnlichen Form festzuhalten.»

Bis: 21.01.2012



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Ausgabe 1/2  2012
Ausstellungen Josef Felix Müller [11.11.11-21.01.12]
Ausstellungen Udo Koch, Josef Felix Müller [22.11.11-14.01.12]
Institutionen Christian Roellin [St. Gallen/Schweiz]
Institutionen Galerie Stampa [Basel/Schweiz]
Autor/in Karlheinz Pichler
Künstler/in Josef Felix Müller
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