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Hinweis
1/2.2012




Chiasso : Dario Fo


von: Ruth Händler

  
links: Dario Fo · Aureola di «Londra memore» (per L'opera dello sghignazzo), ca. 1982, Tusche, Gouache, Aquarell auf Papier, 50 x 70 cm
rechts: Dario Fo · Il miracolo dei pani e dei pesci, 2010, Tempera und Tinte auf Papier, 50 x 65 cm


Das M.A.X. Museo Chiasso breitet mit über 200 Werken die bisher wenig bekannte erste Leidenschaft des revolutionären Theatermachers und Nobelpreisträgers aus: die Arbeit mit Farben und Pinsel, die Dario Fo an der Mailänder Kunstakademie ausführlich studierte und die sein Leben bis heute begleitet.
Ein junger Mann mit grossen dunklen Augen und dem etwas skeptischen, unsicher-stolzen Blick, der einem Neunzehnjährigen immer gut zu Gesicht steht - so stellte sich Dario Fo (*1926) 1945 dar. Das bemerkenswerte Selbstporträt des Malers, der nach Kriegsende zurückgekehrt war an seine Ausbildungsstätte, die Mailänder Kunstakademie Brera, ist der Hingucker in Dario Fos grosser Ausstellung. Mit weiteren Zeichnungen und Gemälden aus den Vierziger- und Fünfzigerjahren beweist es die frühe Souveränität des Allround-Künstlers, der noch heute erklärt: «Ich sehe mich als Laienschauspieler und als professionellen Maler.»
Von seinem 14. Lebensjahr an hat Fo die Bildende Kunst studiert, zunächst im Lyzeum der Brera, danach an der Akademie, wo damals unter anderem Carlo Carrà und Marino Marini lehrten. Die Ausstellung macht deutlich, wie der begabte Techniker verschiedene Stile erprobt, und sie zeigt seine vehemente Eroberung des Bildraums: Parallel zum Kunststudium besuchte Fo in Mailand auch das Polytechnikum und arbeitete danach als Dekorateur und Architekt. Skizzen für Bühnenbilder, die er dem Regisseur Franco Parenti präsentierte, sollten sein Einstieg in die Theaterwelt werden. Nachdem Fo, der begnadete Erzähler, einmal als Schauspieler eingesprungen war, holte ihn Parenti in seine Truppe. Die weiteren Akte der Schau führen denn auch zu einem grossen Teil in die Welt des Dramas und des Theaters. Alles ist Bewegung in den Gemälden, Zeichnungen und Entwürfen zu Bühnenbildern und Kostümen. In den weit ausgreifenden Gesten der Figuren, ob sie nun der griechischen Mythologie entstammen oder der Commedia dell'Arte, in ihrem Posieren, Schreiten, Tänzeln spiegelt sich auch jene temperamentvolle Körpersprache, mit der Fo selbst seine Bühnenräume bespielt. Mittendrin fehlt nicht die Hommage an die Partnerin im Leben und auf der Bühne: In Form vieler liebevoll gezeichneter Porträts ist Franca Rame in der Ausstellung des gut gelaunten Eklektikers präsent, dem man sofort abnimmt, dass Kreativität ohne bildnerischen Ausdruck nicht denkbar wäre. In einem Punkt zieht Fo gleich mit den grossen Meistern, welche die Kunst des 20. Jahrhunderts geprägt haben: Seine Werke sind ganz stark mit seiner vitalen Persönlichkeit verknüpft. Zu den Highlights gehört ein Video, in dem der legendäre Theatermann durch die eigene Schau führt und sein Leben in Bildern kommentiert.

Bis: 15.01.2012



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Ausgabe 1/2  2012
Ausstellungen Dario Fo [23.09.11-15.01.12]
Ausstellungen Dario Fo [23.09.11-15.01.12]
Institutionen m.a.x.museo [Chiasso/Schweiz]
Autor/in Ruth Händler
Künstler/in Dario Fo
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