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1/2.2012




Darmstadt : Marcel van Eeden


von: Grit Weber

  
links: Marcel van Eeden · The Darkest Museum in the World (1932), 2011, 15 Zeichnungen, Nerostift und Aquarell auf Bütten, 19 x 28 cm / 28 x 38 cm. Courtesy Galerie Zink, Berlin
rechts: Marcel van Eeden · Oswald's Dream (1946), 2006-2007, 38 Zeichnungen, Nerostift, Farbstift und Gouache auf Bütten, 49,3 x 62 cm. Courtesy Stedelijk Museum Amsterdam


Der Mensch kann ja gar nicht anders, als in seinem Kopf Erzählungen und Fiktionen solcherart zu erfinden, dass sie dem ganzen Dasein einen Sinn geben oder mindestens der Langeweile etwas entgegensetzen. Das ist essenziell, kulturell und ziemlich unterhaltend. Marcel van Eeden, ein wunderbarer Zeichner mit holländischem Geburtsort, tut das auf ungeheuer produktive und nicht wenig skurrile Weise. Seine mit Kohle und im realistischen Stil ausgeführten Werke ordnet er zu labyrinthischen Erzählserien. Nach Berlin und St. Gallen bespielen sie nun die grosse Ausstellungsfläche auf der Darmstädter Mathildenhöhe. Die Ereignisse, auf die sich van Eeden bezieht, liegen alle vor dem 22. November 1965, dem Datum seiner Geburt. Text- und Bildebenen verschränken sich in diesen DIN-A4-Blättern, doch deren Bedeutungsebenen fallen oft weit auseinander. So bleibt sowohl für den Künstler als auch für den Betrachter genügend Raum fürs Fantastische.
Van Eeden lässt dafür verschiedene Protagonisten auftreten. Da gibt es einen gewissen K.M. Wiegand, der durchaus ein amerikanischer Botaniker gewesen sein kann. Aber dass dieser etwas mit Rita Hayworth gehabt haben soll, darf man zu Recht bezweifeln. Auch um einen Oskar Sollmann drehen sich manche Erzählungen. Er scheint in der Kunstwelt etwas zu sagen gehabt zu haben, zusammen mit einem Matheus Boryna, der dann wiederum getötet wird. Es gibt bestimmte Wurst-Zeichnungen und ein wunderbar durchwachsenes Kotelett, an dem sich van Eeden besonders ausgiebig abgearbeitet hat: Es existiert als Kostüm, in mehreren Zeichnungen und steppt in einem kleinen Film auf einer Bühne herum. Banalitäten, Episoden von Liebe und Tod, aber immer im Brustton philosophischer Überzeugung formuliert, das ist der Grundtenor van Eedens. Für Darmstadt ist extra ein kleiner Kurzkrimi entstanden, der auf der Mathildenhöhe spielt. Und für das ‹Darmstädter Echo› hat er eine Ex­tranummer initiiert, für die er die historischen Ausgaben vom 22. November 1948 im Original verwendete und jene vom 23. November 1963 (die über die Ermordung Kennedys berichtet) mit seinen Zeichnungen versehen, inklusive einer ganzseitigen Werbekampagne für den legendären Ford Taunus 12M. Und so sehen wir mit einem Mal, welches fiktive Material in unserem Alltag herumlungert, bereit von einem humorigen Hirn neu verarbeitet zu werden, um es genau mit dem richtigen Quantum an Wahrheitsanspruch und Fantasma wiederum unter die Leute zu bringen.

Bis: 26.01.2012



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Ausgabe 1/2  2012
Ausstellungen Marcel van Eeden [13.11.11-19.02.12]
Institutionen Institut Mathildenhöhe [Darmstadt/Deutschland]
Autor/in Grit Weber
Künstler/in Marcel van Eeden
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