Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
1/2.2012




Solothurn : Gunter Frentzel


von: Gabriel Flückiger

  
links: Gunter Frentzel · Ohne Titel, 1977, Steinbalken, 75 x 15 x 20 cm, Holzbalken, 112 x 15 x 20 cm
rechts: Gunter Frentzel · Ohne Titel, 2008, 148 Vierkant-Stahlstäbe, je 210 x 1,5 x 1,5 cm


Gunter Frentzels aktuelle Arbeiten sind Balanceakte. Seit 2005 stapelt er jeweils ohne Fixierung und in exakter, rhythmisierter Weise vierkantige Metallstäbe zu Skulpturen. In der Form erinnern diese an offene Trichter, ausgespannte Fächer oder sich verjüngende Quader. Das Neben- und Aufeinanderlegen erzeugt trotz der eigentlichen Fragilität Objekte voller Dynamik und Bewegung. Nicht zuletzt der Moiré-Effekt der sich überschneidenden Stäbe gibt den Skulpturen von jeder Betrachtungsperspektive eine neue Erscheinung.
Das Kunstmuseum Solothurn zeigt in der gegenwärtigen Retrospektive des gebürtigen Berliners (*1935) neben solch neueren Werken auch eine Auswahl früherer Objekte - was anschaulich macht, dass Frentzels Schaffen sich schon seit Jahrzehnten an Themen der materiellen Reduktion, des Gleichgewichts und der potenzierten Bewegung orientiert. Die von Christoph Vögele kuratierte Schau gliedert sich nicht in eine chronologische Abfolge, sondern versucht, querschnittartig das Werk fassbar zu machen - einerseits in konzentrierten Einzelpräsentationen, andererseits in verdichteten Zusammenstellungen.
So wird beispielsweise bei einer installativen Arbeit aus dem Jahr 1993 ein Quader aus Solothurner Stein in ein gebogenes Metallband «gespannt», welches sich diagonal durch den ganzen Raum zieht und den Eindruck hinterlässt, dass der Stein im nächsten Augenblick weggeschleudert wird.
Im darauffolgenden Raum liegen drei geschwungene Stahlplatten am Boden, die sich wie Blätter über die Ecken von Steinquadern schmiegen. Sie stehen einem keck nach oben strebenden kurzen Holzbalken gegenüber, der komplizenhaft vom Gewicht des anliegenden Steinblocks vor dem Umfallen bewahrt wird.
Frentzel betont, dass bei der Produktion das ästhetische Kriterium nicht das Primäre sei, vielmehr ordne er sich den physikalischen, räumlichen oder technischen Bedingungen unter. Die Wirkung der Arbeiten ist jedoch eindrücklich: Metallene Bänder scheinen gummig weich. Hunderte Kilo schwere Skulpturen werden zu federleichten Netzen. Kalte Materie verlebendigt sich.
Mit den Vertretern der Minimal Art verbindet Frentzel der Verzicht auf persönlich-gestische Prägungen von anonymem Material. Seine Werke sind aber weit davon entfernt, bloss präsente, reine und spezifische Objekte zu sein. Das Spiel mit der Balance führt zu anekdotischen Geschehnissen, poetischen Geschichten und charaktervollen Ereignissen.

Bis: 19.02.2012



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 1/2  2012
Ausstellungen Gunter Frentzel [26.11.11-19.02.12]
Institutionen Kunstmuseum Solothurn [Solothurn/Schweiz]
Autor/in Gabriel Flückiger
Künstler/in Gunter Frentzel
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=120109134954LWA-34
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.