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1/2.2012




Strassburg : Die Geister Europas


von: Yvonne Ziegler

  
links: Victor Hugo · Dentelles et spectres, fin 1855-1856, Maisons de Victor Hugo/Roger Viollet
rechts: Albert Von Schrenk-Notzing · La médium Eva C. avec une matérialisation sur une tête et une apparition lumineuse entre les mains, 17.5.1912, Silbergelatine-Abzug, 24 x 18 cm, Inst. für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Fribourg. Foto: D.R.


Gedanklicher Ausgangspunkt der spannenden interdisziplinären Ausstellung ‹Die Geister Europas oder die Faszination für das Okkulte, 1750-1950› ist das Phänomen, dass sich im Zeitalter der Aufklärung, in der sich die Wissenschaften um eine rationale Erklärung der Welt bemühten, eine gegenläufige Entwicklung zu spiritistischem Gedankengut beobachten lässt. Dieser Hang zu Okkultem und Übersinnlichem, der sich in Schriften, Bildern und Praktiken niederschlug, wird in verschiedenen Sektionen - Kunst, Literatur und Pseudowissenschaft - in den Blick genommen. In der Bildwelt der Romantik wimmelt es nur so von Dämonen, Hexen und Feen. Hier sind Gemälde und Grafiken von Johann Heinrich Füssli, John Waxman, Carl Gustav Carus oder Caspar David Friedrich zu sehen, die stark von literarischen Werken Shakespeares, Goethes, William Blakes oder Novalis' inspiriert sind. Ein Gemälde von Goya zeigt Kinder verspeisende Hexen, während auf einer Zeichnung Victor Hugos, der ab 1843 an spiritistischen Séancen teilnahm, Geisterfratzen durch Spitzengewebe glotzen. In der Sektion Symbolismus finden sich neben Bildern von Alfred Kubin, Gustave Moreau oder Odilon Redon Fotografien von Geistererscheinungen.
Unter rund 500 Werken aus 30 europäischen Ländern lassen sich viele bislang unbekannte Positionen entdecken, wie etwa die sphärisch-symbolistischen Arbeiten von M.K. Ciurlionis, Boleslas Biegas, Kristjan Raud oder Kazys Simonis. Spiritistische Praktiken und Ideen beeinflussten Musik, Architektur und Körpersprache. Dies zeigt sich an utopistischen Gebäudeentwürfen von Fidus und freien Tanzformen von Loïe Fuller, die vom Anthroposophen Rudolf Steiner aufgenommen wurden. Die Schau zeigt frühe, figurative Werke von Piet Mondrian, Kasimir Malewitsch, Wassily Kandinsky und Frantisek Kupka, die von theosophischen Ideen Helena Blavatskys beeinflusst waren. Schliesslich begegnet man surrealistischen Werken sowie selten gesehenen Arbeiten von Art-brut-Künstlern bzw. Medien, die Ausserirdische oder vieläugige Gestalten zeigen. Zu den spannendsten Apparaten zählt sicherlich der Bottich, in den sich Kranke stellen mussten, um sich Franz Anton Mesmers magnetischer Kur zu unterziehen.

Bis: 12.02.2012



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Ausgabe 1/2  2012
Ausstellungen Die Geister Europas [08.10.11-12.02.12]
Institutionen Musée d'art moderne et contemporain Strasbourg [Strasbourg/Frankreich]
Autor/in Yvonne Ziegler
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