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1/2.2012




Zürich : Albert Welti


von: Dominique von Burg

  
links: Albert Welti · Selnau bei Zürich, um 1890, Pastell, 19 x 21 cm, Schaffhausen, Museum zu Allerheiligen
rechts: Albert Welti · Felsenschlucht mit Bach, um 1900, Pastell, 18,1 x 20,8 cm Schaffhausen, Museum zu Allerheiligen


Albert Welti (1862-1912, Zürich), ein Spross des berühmten Transportunternehmens Welti-Furrer, war ein Magier des Lichts und der Farben. Zu seinem 150. Geburtstag bereitet ihm das Kunsthaus Zürich ein Heimspiel und zeigt hauptsächlich seine farbintensiven Pastell-Landschaften. Für den Künstler selbst waren sie lediglich Studienmaterial; doch die Ausstellung von rund fünfzig Farbimpressionen, die eigentliche kleine Meisterwerke sind, würdigt die Eigenständigkeit Weltis als Landschaftsmaler und -zeichner. Der Künstler studierte in München an der Kunstakademie und geriet wenig später unter den Einfluss Arnold Böcklins. Bis zu seinem Lebensende wurde er während zwanzig Jahren von Franz Rose von Doehlau, einem ostpreussischen Gutsherrn, mäzenatisch unterstützt. 1901 fielen ihm die Aufträge für die Glasfenster im Treppenhaus des Bundeshauses zu und 1907 für das grosse Wandbild im Ständeratssaal, mit denen er bis zu seinem Tode vornehmlich beschäftigt war.
Eine Waldlichtung mit einem im Vordergrund lodernden Feuer, eine blau gewandete, an einen Baumstamm gelehnte Frauenfigur und das Limmattal im Winter wurden nach unmittelbarer Anschauung vor dem Motiv gemalt, wobei Häuser und Personen beiläufig integriert sind. Wenn es sich auch nicht um spektakuläre Naturdarstellungen handelt, sprechen sie von Weltis Begeisterung für die sichtbar gewordenen Korrespondenzen zwischen seinem bewegten, umherschweifenden Blick und den wechselnden Lichtverhältnissen. Die mehrheitlich atmosphärisch aufgeladenen Wiesenstücke, getaucht in ein jeder Pflanze innewohnendes Eigenlicht, sind momentane Evokationen, welche bald das Improvisationsmoment, bald das Abstrahierende stärker gewichten. Damit unterscheidet sich Welti von der Gedankenmalerei seines Lehrers und Vorbilds Arnold Böcklin. Zudem überführte er dessen mythologische Ikonographie in eine individuell geprägte Traum- und Märchenwelt, die in einem ganz eigenen, fantasievoll-fabulierenden Stil gehalten ist. Dem Geist der Jahrhundertwende verpflichtet, steht Weltis Werk zwischen zwei Jahrhunderten, zwischen Realem und Irrealem, zwischen einem «altmeisterlichen Formwillen und einer starken, eigenwilligen, aus tiefen Seelengründen genährten Phantasie», um mit Hermann Hesse zu sprechen. Mit Vorliebe thematisierte Welti Übergangszustände, etwa in Motiven wie der Brücke, der Lebenszyklen, der Darstellung der Dämmerung und des Übertritts vom Leben zum Tod.

Bis: 04.03.2012



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Ausgabe 1/2  2012
Ausstellungen Albert Welti [16.12.11-04.03.12]
Institutionen Kunsthaus Zürich [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Albert Welti
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