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1/2.2012




Zürich : Marc-Antoine Fehr und Andrea Heller


von: Dominique von Burg

  
links: Marc-Antoine Fehr · Le plan de travail, 2009, Öl auf Leinwand, 220 x 300 cm
rechts: Andrea Heller · Widerstand, 2011, Aquarell auf Papier, 150 x 191 cm © ProLitteris


Marc-Antoine Fehr schleust uns mit einem 500 Meter langen, einen ovalen Raum einnehmenden Wandbild aus Hunderten von Gouachen auf eine Zeitreise. Die bemalten Streifen, die Meeresküsten, kahlen Ebenen, Häuseransammlungen, Schiffsbrücken, Militärparaden usw. darstellen, sind von weissen Bändern rhythmisch unterbrochen. Die ovale, fast Op-artige Disposition versetzt den Betrachter in einen bewegten Strudel, der dem Blick aus einem fahrenden Zug und/oder dem Strom vorüberziehender Gedanken gleicht. Die scheinbar ins Unendliche ziehende Komposition, ‹Paysage sans Fin›, ist ein Work in Progress, an dem der Künstler seit 1999 arbeitet. Thematisch knüpft es an sein Journal de Pressy an, das gemäss Fehr (*1953) «eine grosse poetische Meditation über eine (meine?) Reise durchs Leben» ist. Gleichzeitig liebäugelt hier Fehr, der seit seinen Anfängen dem klassisch figurativen Kanon verpflichtet ist, mit der Abstraktion. In den monumentalen, oft phantastisch-surrealen Stillleben herrscht grosses Schweigen. ‹Le Cortège funèbre›, 2010, zeigt die symbolträchtige Figur des Pierrot ein bühnenartiges Modell in den Händen haltend. Verschiedene Perspektiven greifen da ineinander und interferieren mit der Ebene der Leiterwagen voller Leichen stossenden und ziehenden Männern. Es entsteht ein Verwirrspiel, zumal der Pierrot in der Rolle eines Marionettenspielers oder als Weltenherr zu agieren scheint. Gelegentlich fühlt man sich ertappt von dem in extremer Nahsicht festgehaltenen Pierrot und seiner oszillierenden Existenz zwischen Künstlichkeit und aufglimmendem Leben. Ob er nun zusammen mit Colombine als lädierte Puppe auf einem grossen Arbeitstisch ausgebreitet ist oder sie als melancholisches Paar beieinander liegen - trotz ihrer physischen und sinnlichen Präsenz wirken die Puppen abwesend. Das Phänomen des gleichzeitigen Dasein und Fernsein zieht sich als roter Faden durch Fehrs Malerei.
In ihrer Rätselhaftigkeit korrespondieren diese Bilder mit Andrea Hellers (*1975) dezidiert unbestimmten grossformatigen Tusche- und Aquarellzeichnungen, etwa wenn das «Bündel», 2011, auch als Strassengeflecht gelesen werden kann. Die architekturhaften, geologischen oder organischen Formationen und eine chinesisch anmutende Gebirgslandschaft leben von der fast haptischen Textur der Zeichnung, welche im vieleckigen Gehäuse zu einem Cocon-ähnlichen Innenraum verdichtet ist. Mit Publikationen bei Scheidegger & Spiess resp. Edition Patrick Frey.

Bis: 04.03.2012



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Ausgabe 1/2  2012
Ausstellungen Marc-Antoine Fehr, Andrea Heller [02.12.11-29.01.12]
Institutionen Helmhaus [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Marc-Antoine Fehr
Künstler/in Andrea Heller
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