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1/2.2012




Zürich : Oscar Tuazon


von: Stefan Wagner

  
links: Oscar Tuazon · Steel, Pressure-Treated Wood, Oak Post, Office Chair, Induction Stovetop, Aluminium, 2011, Ausstellungsansicht Standard, Oslo
rechts: Oscar Tuazon · Fun, 2011, Steel tubes, light-weight concrete, wood, 220 x 258 x 343,5 cm. Courtesy Galerie Eva Presenhuber, Zürich. Foto: Stefan Altenburger


Spätestens seit der Bekanntgabe des Programms der letzten Biennale di Venezia hat Oscar Tuazon seinen Status als Geheimtipp an den Nagel gehängt. Der in Paris lebende Amerikaner hatte in den vergangenen Jahren einige bemerkenswerte Auftritte in der Schweiz, aber auch in London und Frankreich. 2008 fertigte er für eine Gruppenausstellung in der Kunsthalle St. Gallen ein glatt poliertes Brett, auf dem es sich mit Steinen stundenlang vergnügt spielen liess. Das jedoch war eine eher untypische Arbeit für ihn. 2010 war er im migrosmuseum für Gegenwartskunst mit einer Betonskulptur vertreten und in seiner ersten Einzelausstellung in der Kunsthalle Bern mit architektonischen Interventionen.
Tuazons Vorgehensweise könnte man mit der Tätigkeit eines homo faber vergleichen - was auf keinen Fall abwertend zu verstehen ist. Im Gegenteil, in einer Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft vermag diese Setzung ein Spannungsfeld zu öffnen. Der Künstler untermauert eine solche Feststellung in seinem Katalog «I can't see», wenn er schreibt: «I think with my hands, I think of my hand as a man. Sort of man, short of man.» Hier drückt Tuazons Interesse fürs Spielerische, aber auch sein Gehör und Interesse für Lyrik durch. Manifest wird die Hand-Arbeit dann, wenn er in seinen die Architektur in Frage stellenden Installationen keine fixen Baupläne verwendet. Vielmehr reagiert er intuitiv auf die Raumfunktionen, Materialien sowie die mit der jeweiligen Ausstellungsinstitution verbundenen Zusammenhänge.
Das alles kann man auch gut mit Hannah Arendt in Verbindung bringen. Die scharfsinnige Philosophin schlug in «Vita activa - oder Vom tätigen Leben» verschiedene semantische Unterscheidungen des Begriffs «Arbeit» vor. Während «Arbeit» stets mit dem Odeur der Mühsal verbunden ist, ist das «Werk» frei von eben dieser Last und verweist stärker auf die Prozesshaftigkeit des Herstellens eines Gegenstands. Dass das Englische «work» nach
Arendt etymologisch nahe beim Deutschen «Werk» liegt, unterstreicht, dass Tuazons Skulpturen und Installationen nicht ausschliesslich dinghaft sind, sondern eine unausgesprochene ästhetische Konzeption von (künstlerischer) Arbeit umfassen. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Arbeitskonzepte ins Rutschen geraten und stets neu auszuformulieren sind, ist das eine anregende Setzung.

Bis: 18.02.2012



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Ausgabe 1/2  2012
Ausstellungen Oscar Tuazon [13.01.12-18.02.12]
Institutionen Galerie Eva Presenhuber AG [Zürich/Schweiz]
Autor/in Stefan Wagner
Künstler/in Oscar Tuazon
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