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Besprechung
3.2012


 Mit Märchenmotiven spürt das französische Foto-Duo Cécile Hesse und Gaël Romier dem verborgenen Tier im Menschen nach. Die zweiteilige Schau ‹Les Chiens Nus / Août› zeigt eine Auswahl älterer Arbeiten im Photoforum Pasquart in Biel sowie eine neue Serie in der Galerie TH 13 in Bern.


Biel/Bern : Cécile Hesse und Gaël Romier


  
Cécile Hesse · Gaël Romier, Les Chiens Nus, 2011, Fotografie


Wir alle seien nackte Hunde, behauptet das Foto-Duo Cécile Hesse (*1977) und Gaël Romier (*1974). Unter einer dünnen Firnis der Kultiviertheit trügen wir immer noch ein animalisches Herz. In ihren brillant fotografierten Bildern spüren die beiden französischen Fotokünstler diesem atavistischen Kern unseres Wesens nach. Sehr direkt geschieht dies in ‹Les Chiens Nus›, 2011, das dem Bieler Teil der Ausstellung seinen Titel gibt. Ein Wesen aus pelzigem Leib und nackten Gliedmassen scheint, in sich zusammengerollt, vor tiefschwarzem Hintergrund zu schweben. Natürlich kann man erkennen, dass es sich um eine Person in einem Pelzmantel handelt, und doch bleibt eine leichte Irritation. Mit aparter Ästhetik und kluger Verspieltheit gelingt es Cécile Hesse und Gaël Romier die Frage aufzuwerfen, wer wir tief in unserem Innern wirklich sind.
Die beiden Fotokünstler haben sich an der renommierten Hochschule für angewandte Kunst in Vevey kennengelernt; seit 1998 leben und arbeiten sie zusammen. Für ihren Blick ins wilde Herz des Menschen bedienen sie sich bei eigenen Lebens- und Beziehungserfahrungen ebenso wie bei Motiven aus Märchen und Mythen. An die verführerischen Seejungfrauen, die an Land unbeholfen sind, erinnert das Bild ‹Août›, 2011, das helle Frauenfüsse zeigt, die in Muscheln stecken. Im Photoforum verweisen diverse Arbeiten auf Aschenbrödel und seine bösen Stiefschwestern, die sich die Fersen abschneiden, um den Schuhtest bestehen zu können. In Bildern wie ‹L'Eplucheuse / Die Schälerin›, 2008, sind es Pumps, von denen das Leder der Ferse geschnitten wird. Die dabei abfallenden kleinen Lederstückchen bilden in der Installation ‹La Corvée, les Délices / Fronarbeit, Wohltat›, 2008, eine halb belustigende, halb beklemmende Wandinstallation. Die Ausstellung im Pasquart unterstützt die leicht surreale Wirkung der Bilder, indem sie mittels Rauminszenierungen verlockt, in der opulenten Bildwelt Platz zu nehmen. Wörtlich zu nehmen ist dies vor der Arbeit ‹Insomnie, Cotillons / Schlafstörungen, Papierschlangen›, 2008. Drei grossformatige Bilder, die von einem geheimnisvollen nächtlichen Fest erzählen, sind gleich einer Guckkastenbühne arrangiert, vor der ein Sofa parat steht. Die Präsentation in der Galerie TH 13 konzentriert sich ausschliesslich auf die Fotografien des Duos.

Bis: 14.04.2012



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Ausgabe 3  2012
Ausstellungen Cécile Hesse, Gaël Romier [05.02.12-01.04.12]
Institutionen Photoforum Pasquart [Biel/Bienne/Schweiz]
Institutionen Galerie TH13 [Bern/Schweiz]
Künstler/in Cécile Hesse
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