Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
3.2012


Grit Weber :  Aufspaltung und Tod, aber auch Vitalität und Spiel sind im Werk des schottischen Künstlers und Filmemachers beständig präsent und geben jene Folien ab, vor denen sich die individuelle Dramatik eines Menschenlebens entfalten muss. Eine Retrospektive fasst nun das Schaffen von Douglas Gordon zusammen.


Frankfurt/M : Douglas Gordon



Douglas Gordon · Henry Rebel, 2011, Filmstill, Studio lost but found


‹Henry Rebel› heisst die jüngste Arbeit Douglas Gordons aus dem Jahre 2011 und sie wird in dieser Schau erstmals öffentlich gezeigt. Sie knüpft in Inhalt und Form an ‹Play Dead› aus dem Jahre 2003 an. In beiden Werken bewegt sich eine Kamera um den Protagonisten. Während dieser in ‹Play Dead› ein Elefant ist, der so tut, als würde er sich zum Sterben niederlegen, zeigt ‹Henry Rebel› einen jungen Mann, der ein seelisches Leid imitiert, sich dabei bis auf die Unterhose seiner Kleidung entledigt und zum Schluss die weisse Haut mit einem roten Stift malträtiert. Auch hier werden die Filmfragmente auf zwei Leinwände geschickt und geben ein gespaltenes und obendrein um 180 Grad gedrehtes Bild eines Martyriums ab. Und obwohl die Präsentation der beiden übereinander gestellten Leinwände wie geschaffen für die grosse Halle im MMK ist, reicht auf inhaltlicher Ebene dieses Werk nicht an die Einfachheit und Emotionalität von ‹Play Dead› oder ‹k.364› heran. Denn die Qual des Darstellers wird auch dann nicht wirklich plausibel, wenn der Betrachter den Kontext der Entstehung kennt: Gordon bezieht sich hier auf den Film ‹Rebel without a Cause› von 1955, der kurz nach dem Tod des Hauptdarstellers, James Dean, in die Kinos kam und ein neues Genre generierte, in dem die äusseren Konflikte und die innere Zerrissenheit von Teenagern thematisiert werden können.
Auch wenn Gordons Hauptdarsteller der Sohn des kürzlich verstorbenen Dennis Hopper ist, der wiederum in dem Streifen von 1955 als jugendlicher Rebell mitwirkte, gerät Gordons ‹Rebel› zu konstruiert, als dass er den Magnetismus entwickeln könnte, der beispielsweise von den Bildern zu ‹Zidane: A 21th Century Portrait› ausgeht, den Gordon gemeinsam mit Philippe Parreno 2006 über den legendären Fussballer produzierte. Für das MMK sind jene Filmbilder in eine neue Präsentation mit 18 Monitoren gebracht. Wir sehen Mengen von Kabeln, die zu einer Schaltzentrale laufen, die hier die Bild- und Tonregie übernehmen und mal das Spiel, mal Zidane oder auch fremde Bilder an die einzelnen Bildschirme übertragen. Es entsteht das Porträt Zidanes als eines Zersplitterten, der mit dem Endspiel zur WM 2006 zwar sein wichtigstes Match hatte, aber immer nur dann ins Bild kommt, wenn er gerade nicht im Ballbesitz ist: ein gehetzter Antiheld in einem Film, der vom Ende ebenjener Karriere kündet und mit der zerstückelten Version dieses Ichs in der Tat ein typisches Porträt des postheroischen Zeitalters abliefert - und damit umso mehr an seinem Mythos mitwirkt.

Bis: 25.03.2012



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 3  2012
Ausstellungen Douglas Gordon [19.11.11-25.03.12]
Institutionen MMK Museum für Moderne Kunst [Frankfurt/M/Deutschland]
Autor/in Grit Weber
Künstler/in Douglas Gordon
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=120224180735P1N-11
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.