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Besprechung
3.2012


Katharina Dunst :  Cevdet Erek zeigt in der Kunsthalle Basel seine Raumarbeit ‹week› und geht dabei der Frage des Massstabs von Raum und Zeit nach, Grössen, die unseren Alltag in greifbare oder auch überwindbare Einheiten gliedern und gleichzeitig die ewige Wiederholung anklingen lassen.


Basel : Cevdet Erek, ‹Week›


  
links: Cevdet Erek · Week, 2012, Installationsansicht, Mono Sound, 3 Min., 7 hölzerne Lüftungsroste vom Boden des Oberlichtsaals, 48 x 100 x 4,5 cm
rechts: Cevdet Erek · Week, 2012, Installationsansicht, Sound System: 1 ‹gefaltetes-Horn›-Lautsprecher, 2 x 3-Wege-Lautsprecher, 30 Band Graphic Equalizer, Verstärker, Crossover, Weisser Molton, Aluminium-Traversen, Holz


Eine Schleuse markiert den Eingang zum Oberlichtsaal der Kunsthalle und verhindert den direkten Einblick in die Ausstellung des türkischen Künstlers, Architekten und Musikers Cevdet Erek (*1974, Istanbul). Doch entgegen der beim Durchschreiten der Passage gesteigerten Erwartung erweist sich das Innere des Saals dann als fast leer - als lichtdurchfluteter, von weissen Stoffbahnen begrenzter Raum. Am anderen Ende stellt sich den Besuchern ein dunkler Turm aus Konzertboxen entgegen. Aus den Lautsprechern ertönen rhythmisch gleichförmige Drumbeats, und eine eindringliche, männliche Stimme skandiert im Loop die sieben Wochentage auf Englisch: Monday, Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday, Saturday, Sunday - es folgen ein paar Mal je fünf plus zwei Schläge ohne Worte: tac, tac, tac, tac, tac, tic, tic; tac, tac, tac, tac ... Die ständige Wiederkehr des Gleichen fesselt und bewegt.
Die Verwandlung des Ausstellungsraums in einen Audioraum vollzieht sich sowohl über eine optische wie auch eine akustische Ebene: Visuelle Informationen beschränken sich auf das Licht an sich oder lassen Aluminiumtraversen, Molton, Lautsprecher und Verstärker von Bühnen, Konzerten und Clubnächten, von Orten der Musik und des Abtanzens erzählen; die Tonspur dagegen versetzt uns in keine schummrige Disco, versetzt uns nicht in Trance, sondern wirft Licht auf die Ordnungen und Strukturen unseres Alltags und leuchtet sie aus.
Cevdet Erek bringt in der kultisch aufgeladenen Architektur zwei traditionell entgegengesetzte Energien zusammen und verwebt sie zu einer neuen, erstaunlichen Textur: das Apollinische und das Dionysische bzw. das Lichtvolle, die Rationalität, und das Massvolle mit dunklen unkontrollierten Energien wie Rausch, Ekstase und Überfluss. Dabei wird die Kunsthalle keineswegs in ein Clublokal verwandelt, sondern bleibt, was sie ist, und zerrt die nächtliche Illusion der Grenzenlosigkeit ans Licht.
Die durchlässige Stoffmembran hingegen besänftigt das aufkommende Gefühl der Unentrinnbarkeit und lädt ein zum Wechseln von einer räumlichen Gegebenheit zur anderen. Hinter dem Vorhang, dort, wo sich die beiden Raumkonzepte verschränken, befindet sich eine Art Backstage mit einer kleinen Ausstellung: Sieben hölzerne kunsthalleneigene Lüftungsroste hängen sauber aufgereiht an der Wand. Zudem zwei kleine, hübsch gerahmte Zeichnungen von Bass-Drums, die gemäss Saalblatt der Ausstellung zeigen, «wie derselbe Takt auf zwei unterschiedliche Arten konstruiert ist».

Bis: 04.03.2012



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Ausgabe 3  2012
Ausstellungen Cevdet Erek [13.01.12-04.03.12]
Institutionen Kunsthalle Basel [Basel/Schweiz]
Autor/in Katharina Dunst
Künstler/in Cevdet Erek
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