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3.2012




Düsseldorf : Josephine Pryde


von: Katja Behrens

  
links: Josephine Pryde · Scales, 2012, Neuproduk­tion zur Ausstellung im Kunstverein
rechts: Josephine Pryde · Miss Austen Enjoys Photography, 2012, Installationsansicht Kunstverein Düsseldorf


In ihren künstlerischen Arbeiten ist Josephine Pryde unsentimental und kritisch, ein bisschen radikal, dann wieder zurückgenommen, fast naiv, nur um sogleich umso spitzer ihren Spott auszuschütten. Sie liefert ständig neue Stichworte, schiebt eigene Kommentare, Gedanken, Reflexionen ein, scheint immer ein bisschen vom Weg abzukommen, gar das Klischee weiblicher Ahnungslosigkeit zu bedienen. Am Ende aber, folgt man ihr, kehrt man reicher zurück. Das Assoziationsfeld lässt sich in viele Richtungen dehnen.
Eingeladen, eine ‹retrospektive Werkschau› zu machen, findet sich Josephine Pryde (*1967) im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen auf ihre Art damit ab, nun Teil eines Automatismus geworden zu sein. Wie alle anderen möglichen Schlagworte bestimmte Automatismen in Gang setzen, so eben auch die Retrospektive. Es ist jetzt allerdings nicht allein der Blick in die eigene künstlerische Vergangenheit, der zählt, vielmehr werden die neu entstandenen Fotoarbeiten der britischen Künstlerin zum Rahmen und zum Anlass eines ausufernden und immer wieder neu ansetzenden Nachdenkens über Bildproduktion und -präsentation.
Hans-Jürgen Hafner, neuer Kunstvereinsleiter in Düsseldorf, ist offenbar auch deshalb so begei stert von seiner ersten Ausstellung hier, weil Pryde in ihrer Arbeit manchen Weg geht, den er als Kurator auch einschlagen möchte. «Ich bin nicht daran interessiert, einfach Kunst zu zeigen, sondern ich möchte zeigen, dass man sie zeigt.» Das Format und das gleichzeitige Nachdenken über das Format werden zum Thema der Ausstellung. Überhaupt sei er in seiner eigenen Ausstellungspraxis stets daran interessiert, an der linguistischen Schnittstelle von Bildern und Theorie, von Intellekt und Wahrnehmung «herumzuoperieren». Vielleicht ist es so besehen kein Zufall, dass auch der neu designierte Leiter der Kunsthalle Bern in seinem ersten Jahr mit der Künstlerin eine Ausstellung realisieren wird.
Pryde hat für ihre Schau in Düsseldorf erst einmal zwanzig Rahmen anfertigen lassen und danach erst die Fotografien für diese Rahmen produziert. Schauspieler, Meerschweinchen, Spielzeug: Die Bildherstellung ist von vielerlei, schwer kalkulierbaren Bedingungen abhängig. Sie denkt mit ihren Aufnahmen über verschiedene Genres, aber genauso auch über experimentelle Fotografie nach. Die technischen ebenso wie die bildimmanenten Prämissen sind ihr bei der Arbeit gleichermassen wichtig. Und, wie fängt man eigentlich die Meerschweinchen hinterher wieder ein? «Ausstellen ist mein Thema», sagt der Kurator. Ausstellen ist auch ein Thema von Josephine Pryde.

Bis: 09.04.2012



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Ausgabe 3  2012
Ausstellungen Josephine Pryde [04.02.12-09.04.12]
Institutionen Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen [Düsseldorf/Deutschland]
Autor/in Katja Behrens
Künstler/in Josephine Pryde
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