Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
3.2012




München : Mona Hatoum


von: Roberta, De Righi

  
links: Mona Hatoum · Home, 1999 (Detail), Installation mit Tisch, Tischmasse 77 x 198 x 73,5 cm, Installationsmasse variabel. Courtesy Sammlung Goetz. Foto: Thomas Dashuber
rechts: Mona Hatoum · Undercurrent (Red), 2008, elektrische Kabel, Glühbirnen, Helligkeitsregler, Installationsmasse variabel. Courtesy Sammlung Goetz. Foto: Thomas Dashuber


Dieser Teppich lebt! Ein Geflecht aus roten Kabelschnüren erstreckt sich über den Boden, in Glühbirnen endend, deren pulsierendes Licht an Herzschlag und Atem eines gewaltigen Organismus erinnert. ‹Undercurrent› heisst Mona Hatoums sinnlich-schöne Installation von 2008, in der Kabelschnüre zu Lebensadern werden. Sie ist Teil einer Ausstellung in der Münchner Sammlung Goetz, die jetzt Werke der im Libanon geborenen Künstlerin in einer überzeugenden Auswahl zeigt. Darin wird die künstlerische Entwicklung zwischen 1980 und 2009 deutlich.
Daneben läuft die Dokumentation der Performance ‹The Negotiating Table›, 1983: Man erkennt unter einer Plastikfolie blutige Eingeweide, die auf einem reglosen Körper liegen. Während Politiker verhandeln, sterben Menschen. Die politische Botschaft ihrer Sturm-und-Drang-Phase war drastisch und deutlich. Den Turner Prize, für den sie 1995 nominiert war, bekam trotzdem Damien Hirst.
Ältere Arbeiten offenbaren Sinn für das Paradoxe - ‹So much I want to say›, 1983, und Absurde ‹Roadworks›, 1985. Im Film ‹Measures of Distance›, 1988, überlagern sich die Bedeutungsebenen subtil: Man sieht Hatoums Mutter unter der Dusche, darüber liegen arabische Schriftzeichen, die an das Muster eines Duschvorhangs, aber auch an Stacheldraht erinnern.
Hatoums Kunst ist eingängig, mitunter plakativ. Auf dem Globus ‹Hotspot›, 2009, glühen die Konturen der Kontinente: Alarmstufe Rot für den ganzen Planeten. Oder ‹Deep Throat›, 1996: Auf dem Tisch ein Gedeck, die Innenfläche des Tellers öffnet sich zum Schlund. Ein Monitor zeigt Bilder einer Sonde, die tief in die Speiseröhre wandert. Das ist fast zu perfekt inszeniert, um unter die Haut zu gehen.
Bei Hatoum lauert der Alb im Alltäglichen und lächelt in diabolischer Doppeldeutigkeit. Der Rollstuhl, 1998, hat Messerklingen statt Griffe zum Schieben, Sieb und Seiher sind mit Schrauben gespickt. So wird Koch- zum potenziellen Mordwerkzeug. Und der Weg zur Guillotine scheint kurz, etwa in Form des Paravents aus monumentalen Gemüsereiben. Der heimische Herd ist ein gefährlicher Ort, auch in ‹Home›, 1999: Von innen illuminiert wirken Reibe und Sieb wie Designerleuchten, doch sind sie über Kelle, Trichter und Fleischwolf zum Stromkreis verbunden. Ein Sirren untermalt das Arrangement akustisch und suggeriert Hochspannung.
Schock und Schönheit liegen bei Mona Hatoum nah beieinander. Sie kann beides: betören und verstören. Und elektrisiert den Betrachter in jedem Fall.

Bis: 05.04.2012



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 3  2012
Ausstellungen Mona Hatoum [21.11.11-05.04.12]
Institutionen Sammlung Goetz [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
Künstler/in Mona Hatoum
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=120302130106TTV-27
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.