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Besprechung
4.2012


Françoise Theis :  Madeleine Schuppli hat die Präsentation von Roman Signers Projektionen im Helmhaus Zürich, 2008/09, konsequent weitergedacht. Sie zeigt eine Auswahl von 36 der insgesamt 200 Super-8-Filme des Künstlers als Bilderfolge im Erweiterungsbau.Der U-förmige Raum wird neu erfahrbar gemacht.


Aarau : Roman Signer, ‹Strassenbilder und Super-8-Filme›


  
Roman Signer · Strassenbilder, Karpaten, Ukraine, Rumänien, 2005, Serie von 47 Farbfotografien, je 31 x 49 cm, Aargauer Kunsthaus


Gerade in einer solchen Präsentation entfaltet sich die Intensität und Präzision der kurzen Filmdokumente von Roman Signer (*1938). Als werkimmanente Bühne dient seinen «Zeitskulpturen» die Natur, welche stoisch die Bemühungen und Einfälle des Künstlers trägt und dabei entlarvt, dass die konzeptuellen Werke erst in der Wechselwirkung mit den Gesetzen der Natur ihre Poesie und ihren Humor entfalten. Geht man den Werken auf den Grund, so schälen sich geometrische Begriffe heraus: Der Punkt, wenn Signer mit weissen Fahnen in ‹Kiste›, 1976, die Aufschlagpunkte der projizierten Kiste markiert; die Linie beispielsweise in ‹Spur›, 1980, oder als Parallelen, wenn der rennende Signer in ‹Wettlauf mit Rakete›, 1981, von der abgeschossenen Rakete überholt wird; der Kreis, wenn Signer in ‹Rauchringe›, 1984, auf einem Hochkamin sich drehend, mithilfe von Schnur und Rauchkörper farbige Rauchringe in den blauen Himmel zeichnet. Besonders eindrücklich: das Trapez, welches zufällig von einem roten Ballon in ‹Ballon unter Eis›, 1988, aus der Eisdecke eines zugefrorenen Weihers herausbricht, oder die geraden Kegel, die durch Fliessen und Abfliessen von Sand entstehen, ‹Krater›, 1980, und ‹Sandinstallation›, 1981. In den Super-8-Filmen werden wir Zeugen des menschlichen physischen Scheiterns angesichts seiner geistigen Ideen. Die Frage nach der Wirklichkeit stellt Signer dabei ganz beiläufig, und Euklid und Platon grüssen von Ferne.
Neben den Super-8-Filmen und vier Installationen wird die Fotoserie ‹Strassenbilder, Karpaten, Ukraine, Rumänien›, 2005, gezeigt, eine aus 47 querformatigen Farbfotografien bestehende Folge, die Roman Signer auf einer Reise durch Südosteuropa aufnahm. Diese Serie kann als «Memento Mori am Strassenrand» bezeichnet werden. Die Bilder zeigen Momente des Innehaltens, die Stillleben gleich auf Vergangenes und Zukünftiges verweisen. Es sind Impressionen vom Leben und Sterben und vom Überleben, die vom Strassenrand aus festgehalten wurden: Kleine improvisierte Verkaufsstände erzählen von der Bäuerin, die ihre karge Ernte liebevoll präsentiert; mit Plastikblumen geschmückte Gedenkstätten verweisen auf die Opfer vergangener Verkehrsunfälle und auf die Hinterbliebenen, die deren Andenken pflegen. Es sind stumme Zeugen eines Lebens voller Entbehrung und Verlust.

Bis: 22.04.2012



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Ausgabe 4  2012
Ausstellungen Roman Signer [28.01.12-22.04.12]
Video Video
Institutionen Aargauer Kunsthaus [Aarau/Schweiz]
Autor/in Françoise Theis
Künstler/in Roman Signer
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