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4.2012




Basel : Vera Isler


von: Hans-Dieter Fronz

  
Vera Isler · Eva Aeppli, 1996 © ProLitteris


Jean Tinguely, im Blaumann mit vor der Brust verschränkten Armen, wirkt wie ein in die Jahre gekommener Automechaniker, doch unter der Arbeitsmontur ahnt man den Magier und Zirkusdirektor, der er immer auch war. Hingegen Arnulf Rainer: ein buckliges altes Männlein, das missmutig und ein wenig leidend in die Kamera schaut; im Zentrum seiner Übermalungen, so meinen wir jetzt zu erkennen, haust eine gehörige Portion Überdruss.
In den 52 Porträts von Vera Isler, annähernd lebensgrosse Digiprints in Schwarz-Weiss, zeigen sich die Künstler, wie sie sind - ohne Pose und Attitüde. Man kennt die meisten Namen, nicht immer aber hat man ein Bild vor Augen. Da stellt sich dann so manche Überraschung ein. Viele, die man sich gern ein wenig exzentrisch vorstellte, sind korrekt gekleidet in Anzug und Krawatte. Der Maler Robert Ryman wirkt so wie ein Handelsvertreter, Erwin Wurm in Pulli mit sachlicher Miene wie ein Mathematiklehrer, Daniel Buren ist glatt der Doppelgänger von Dominique Strauss-Kahn, Stephan Balkenhol eine hölzerne Skulptur seiner selbst. Wenigstens Anflüge von Exzentrik zeigen Eva Aeppli oder Franz West. Und bei Gilbert & George ahnt man unterm tadellosen Outfit Abgründe. Valie Export dagegen verströmt noch im Badezimmer die Aura einer Grande Dame.

Bis: 06.05.2012



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Ausgabe 4  2012
Autor/in Hans-Dieter Fronz
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