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4.2012




Düsseldorf/Paris : Jewyo Rhii


von: Katja Behrens

  
links: Jewyo Rhii · Wall to talk to, 2012, Ausstellungsansicht, Galerie Ursula Walbröl, Düsseldorf
rechts: Jewyo Rhii · Hand made typewriters, 2011


Die Schreibmaschine, jener altmodische Apparat, der heute kaum mehr benutzt wird, ist Gegenstand des neuesten Projekts von Jewyo Rhii. Die koreanische Künstlerin (*1971) hat eine Serie von Schreibmaschinen gebaut, zusammengebastelt aus diversen Materialien und gefundenen Gegenständen, die selbst immer schon irgendeine Geschichte in sich tragen. Sie sehen aus wie wackelige Gestelle, wie seltsam fragile Stelen mit Stempel. Deren Name: ‹Wall To Talk To›. Und tatsächlich, mit den Schreibmaschinen wird auf die Wand geschrieben, gedruckt und gestempelt. Jede der Maschinen hat einen eigenen Text, den nur sie erzählt, eine eigene Sprache, die nur sie spricht.
Rhiis 2005 als Buch veröffentlichtes Zeichnungsprojekt, von dem jetzt, neben den Schreibmaschinen in der Galerie Walbröl, die Originalzeichnungen zu sehen sind, trägt den Namen ‹TWO›. In drei Jahren hat die Künstlerin zeichnend mehr als hundert Haltungen ersonnen «für zwei schwache und müde Menschen in einem privaten Bereich», und es zeigt, was man zu zweit tun kann, wenn man für sich ist, wie einer dem anderen helfen kann, es sich bequem zu machen.
Rhiis Installationen und Tuschzeichnungen sind oft ebendiesem Zweck gewidmet, die Lebenswelt für kleine schwache Lebewesen zu verbessern, in einer Welt, die selbst wenig Trost bietet. Zugleich sind sie ein Nachdenken über das Vergehen der Zeit und über die Zerbrechlichkeit all dessen, was man hat. Immer sehen ihre Objekte irgendwie hilflos aus. Überhaupt sind Unsicherheit, Verletzlichkeit, Themen, welche die Künstlerin in immer wieder anderer Form untersucht, wenn sie etwa den Galerieboden in einen wackeligen Untergrund verwandelt, wenn sie ihren zarten Konstruktionen keine Stütze zur Seite stellt, wenn sie die Strategien des Kontrollregimes an den Flughäfen befragt: ‹Lodged›, ‹Airport Romance›, ‹Arrival›.
Rhii wurde von Okwui Enwezor zur diesjährigen Triennale nach Paris eingeladen: ‹Intense Proximity: Art as Network›, eine Ausstellung, die unter anderem den Reichtum und die Kunst von Beziehungen untersucht. Dort wird die Künstlerin ebenjenen Werkkomplex ‹Wall To Talk To› realisieren, der jetzt in der Düsseldorfer Galerie zu sehen ist - und hier mit dem zehn Jahre vorher begonnenen Projekt ‹Two› in einen Dialog tritt.

Bis: 26.08.2012



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Ausgabe 4  2012
Autor/in Katja Behrens
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