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4.2012




Rapperswil : Minimal Structures


von: Anna Francke

  
links: Colin Guillemet · Untitled (anything but the rabbit), 2006, 11 Paare mit SX70 Polaroid-Fotografien, je 10,7 x 17,6 cm
rechts: Minimal Structures, 2012, Ausstellungsansicht, Pavillon der Alten Fabrik, Rapperswil-Jona. Foto: Gunnar Meier, Zürich


‹New Existentialism› geht in die Nachspielzeit: Mit ‹Minimal Structures› zeigt Alexandra Blättler den fünften Teil ihrer als kuratorische Recherche angelegten Ausstellungsreihe. Um ein Jahr wurde ihr Kurator-Stipendium der Gebert Stiftung verlängert. Das übergreifende Thema, die künstlerische Befragung der menschlichen Existenz, bleibt -
der Ausstellungsort ist neu: während dem Umbau der Alten Fabrik ist der Betrieb in einen temporären Kubus verlagert.
In der seriellen Struktur, der einfachen und präzisen Anlage sowie der werkimmanenten Logik der Arbeiten von vier jungen Schweizer Kunstschaffenden hallt die Minimal Art der Sechzigerjahre nach. Emilie Ding (*1981) greift dieses Erbe mit zwei handelsüblichen Stahlträgern auf. Scheinbar mühelos ist eines der rechtwinkligen Elemente weit oben fixiert, im Gegensatz zur massiven Präsenz von Material und Form. Dings zeichenhaft im Raum platzierter Eingriff akzentuiert die Architektur des Ausstellungskubus. In den fragmenthaften, überdimensionalen Teilen schwingt die menschliche Existenz indirekt mit, ist die Handhabung doch ein Kraftakt, der an körperliche Grenzen geht.
Diese werden auch im Film von Stefan Burger (*1977) ausgelotet: Unter Einnahme eines starken Schlafmittels versucht er, gegen das Einnicken kämpfend und an einem Flügel sitzend, eine Neuinterpretation des Stücks ‹4'33'›, John Cages radikale Reduktion auf die Stille. Nicht ohne Ironie entzieht sich Burger im «Nicht(s)tun» dem Produktionsdruck und stellt die Rolle des Künstlers zur Diskussion.
Ähnlich humorvoll geht Colin Guillemet (*1979) vor: Seine Polaroid-Paare ‹Untitled (anything but the rabbit)› zeigen das, was der Titel verspricht, nämlich Zylinder und Karotte - nicht aber das weisse Kaninchen. In der jeweils zweiten Fotografie ist die Karotte beispielsweise durch ein Cornet oder einen spitzen Papphut ersetzt. Daraus entspinnt sich ein modulares Spiel zwischen Bild, Text und Wahrnehmung. Schliesslich ist die Skulptur ‹I twist, you turn› von Vanessa Billy (*1978) das Resultat einer einfachen Geste, die eingeschlungenes Badetuch zur vermeintlich stabilen Verbindung zwischen zwei Betonscheiben macht. Statt Selbstreferenz und Bedeutungsverweigerung - zentrale Prämissen der Minimal Art - werden hier narrative und humorvolle Ansätze verfolgt, in denen körperliche, materielle oder wahrnehmungsspezifische Bedingungen und Grenzen erprobt werden. Die Verbindung zum Konzept eines neuen Existentialismus bleibt jedoch stellenweise vage.

Bis: 22.04.2012



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Ausgabe 4  2012
Autor/in Anna Francke
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