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4.2012




Thun : Dominik Stauch und Francis Baudevin


von: Gabriel Flückiger

  
links: Dominik Stauch · o.T. (after William S. Burroughs), 2009, Trommel, Acryl, MDF Spannteppich, 100 x 100 x 125 cm, Courtesy Galerie Bernhard Bischoff & Partner, Bern
rechts: Francis Baudevin · Dominik Stauch featuring Daan Van Golden, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Thun, Golden Days, 2012


Eine Militärtrommel und eine Schallplatte machen den Auftakt. Klänge ertönen allerdings keine, denn Dominik Stauchs (*1962) Ready-made-Trommel präsentiert sich als verstummtes Relikt und die Schallplatte von Francis Baudevin (*1964) ist bloss abfotografiert. Doch greifen die beiden Arbeiten im ersten Raum der aktuellen Schau ‹Golden Days› zwei Themenfelder auf, welchen man in der Ausstellung von Stauch und Baudevin immer wieder begegnet: Die Auseinandersetzung mit verschiedenen materiellen und sinnlichen Erscheinungsformen der Musik sowie die Appropriation von Alltagsgegenständen, beziehungsweise das Interesse an deren grafischer Erscheinung.
So arbeitet Stauch an der visuellen Übersetzung musikalischer Phänomene und erzeugt in seinen Videos digitale Farbfelder, die sich entsprechend dem Rhythmus und der Tonlage verändern. Neben der Trommel finden sich bei Stauch weitere Objekte aus dem Alltag. Indem er in diese Löcher bohrt, macht er aus dem Schrank, dem gekippten Tisch oder dem Sofa metaphorische Berge, Revolvermagazine und Ritualobjekte.
Auch Baudevin bedient sich, wenn er Plattenhüllen abfotografiert, alltäglichen Objekten. Dabei wählt er typografisch reduzierte Beispiele aus, die wie monochrome Malerei wirken. Nebeneinander gereiht, bilden die einzelnen Teile feine Farbverläufe und assoziieren wiederum musikalische mit visuellen Aspekten. Daneben verwendet Baudevin auch weitere vorgefundene Grafiken als Ausgangslage für seine Gemälde. Er entfernt dabei das Logo oder den Markennamen und erstellt abstrahierte Bilder, die als dynamische Flächengebilde oder Liniengefüge eigentliche Form- und Farbstudien sind.
Trotz diesen thematischen Überschneidungen von Stauch und Baudevins Arbeiten führt die Gegenüberstellung nicht wirklich zu einer gegenseitigen Aufladung. Vielmehr durchläuft man Räume, die jeweils nur von einem Künstler bespielt werden und erhält so das Gefühl, dass sich die beiden Werke aus dem Weg gehen. Einzig im letzten Saal treffen Baudevins monumentale Farbbalken-Sterne in vier Variationen auf ebenso grosse Collagen von Stauch. Hier verschmilzt grafische Reduktion mit einer ästhetisierten Abstraktion - ein leider einmaliger Doppelklang.

Bis: 09.04.2012


Katalog, Kehrer Verlag.



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Ausgabe 4  2012
Autor/in Gabriel Flückiger
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