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Hinweis
4.2012




Winterthur : Theres Liechti


von: Lucia Angela Cavegn

  


Schwere Gardinen sind aus der Mode geraten. Wer ein Loft bewohnt, gibt sich weltoffen und verbarrikadiert sich nicht mit Vorhangbahnen. Es gibt jedoch auch den gegenteiligen Trend: In unsicheren Zeiten neigen die Menschen zum Cocooning, ziehen sich in die eigenen vier Wände zurück und finden hier ihr kleines Glück. Die Winterthurer Künstlerin Theres Liechti hat den Kunstkasten am Katharina-Sulzer-Platz mit opaken Tüllvorhängen ausgekleidet und setzt damit einen Gegenakzent zur durchdesignten Umgebung, die trotz des Baumbestands steril wirkt. An der Stirnseite des «Guckkastens» erlaubt ein Spalt den Passanten, einen Blick in das behagliche Gemach zu werfen. Dort bewegt sich ein Reh -
kein echtes, nur der Schattenriss einer Spielfigur. Eine rosafarbene Wolldecke mit Blattmotiven dient als Projektionsfläche. Auch wenn die Installation ‹Im Wald› heisst, fühlt man sich in ein Kinderzimmer versetzt. Weitere Spielsachen fehlen zwar, doch das durch Stop-Motion-Animation belebte Tier, das einknickt und sich immer wieder aufrichtet, ruft zahlreiche Assoziationen hervor. Ein feiner Riss durchzieht die vermeintlich heile Welt. Theres Liechti arrangiert Puppen und anderen Kinderkram zu kurzen, fast sprichwortartigen Geschichten, die unterschwellige, stumme Schrecklichkeiten des Alltags thematisieren.

Bis: 01.04.2012



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Ausgabe 4  2012
Autor/in Lucia Angela Cavegn
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