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4.2012




Winterthur : Urnamo


von: Yvonne Ziegler

  
Urnamo · Ohne Titel, 2012, Leuchtobjekt und Videoinstallation


Darf man einen irakischen Hillah-Teppich betreten, der zuvor während einer Performance mehrmals von einem Panzer überrollt wurde? Wohl kaum. Nebenan im Oberlichtsaal der Kunsthalle Winterthur sieht man ihn unversehrt. Auf den Seitenteilen eines Leuchtquaders thronen jeweils einzeln ein kleiner Junge, ein alter Mann und ein irakischer Sicherheitsmann im Schneidersitz. Sie lassen an magisches Schweben und abenteuerliche Freiheitsritte auf fliegenden Teppichen denken. Umso mehr bricht mit dem Film des brachial agierenden Panzers eine Träume zerstörende Realität ein. Die seit Ende der Neunzigerjahre in der Schweiz lebende irakische Künstlergruppe Urnamo - Wamidh Al-Ameri (*1977), Wathiq Al-Ameri (*1972), Ali Al-Fatlawi (*1972) - präsentiert Einfaches mit komplexen Implikationen: Die aus Henna gefertigte Wandzeichnung einer Stadt wurde verwischt und somit ausgelöscht; eine berühmte Koranstelle wurde in Computerschrift übersetzt, für Unkundige kein Text, sondern ein Labyrinth, durch das mehrere individuelle rote Wege führen. Unkommentiert stellen die Künstler die fünf Weltreligionen als klischeehafte gesichtlose Pappfiguren und symbolträchtig blinkende Leuchtwerbung einander gegenüber: austauschbar, traditionsbeladen, offensichtlich Geschmackssache.

Bis: 09.04.2012



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Ausgabe 4  2012
Autor/in Yvonne Ziegler
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