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Besprechung
5.2012


 Wie Realität von der Kunst gesehen und durch die Kunst überwunden wird, beschäftigt Thomas Huber in imaginären Räumen und Bauten. In einer umfangreichen und eindrucksvollen Werkschau zeigt das Mamco, wie Huber seine Auseinandersetzung mit Bild und Welt seit dreissig Jahren konsequent vertieft.


Genf : Thomas Huber, ‹Vous êtes ici›


  
links: Thomas Huber · LA Banque, 1991 © ProLitteris. Foto: Ilmari Kalkkinen
rechts: Thomas Huber · Une trouée à Plainpalais, 2012 © ProLitteris. Foto: Ilmari Kalkkinen


Mit der Formel ‹Vous êtes ici›, die sich auf Wegweisern findet, um die Orientierung zu erleichtern, zieht Thomas Huber (*1955, Zürich) Vorbeigehende in ein Werk hinein, das sich klug, hintergründig und mathematisch verspielt mit dem Verhältnis von Realität und Bild auseinandersetzt. ‹Vous êtes ici› ist sowohl der Titel der Ausstellung wie auch der jüngsten Werkgruppe Hubers, die für die Ausstellung entstanden ist. Die grossformatigen Bilder gleichen den Macht suggerierenden Schildern, die grosse Bauvorhaben ankündigen. Einige weisen auch jenen Standort-Punkt auf, der es erleichtern soll, sich das geplante Gebäude inmitten der lokalen Gegebenheiten vorzustellen. Huber lädt ein, eine Idee und die eigene Position dazu in der Realität zu verorten. Seine Bilder, deren klare Flächigkeit an Giorgio de Chiricos leere Städte und René Magrittes Abbild-Reflexionen erinnern, zeigen Bauskizzen, die das Reich der Fiktion nie verlassen werden.
‹Une Trouée à Plainpalais›, 2011, stellt den grossen Platz nahe dem Mamco mit einem bodenlosen Aushub in der Mitte dar. Wie einige andere Arbeiten der Serie auch, findet sich das Bild nicht nur im Museum. Als Bauschild ist es auch im Aussenraum präsent, direkt vor Ort am Plainpalais. Die in der Vorstellung wurzelnde Kraft des Bildes greift still und doch zwingend in die Wirklichkeit ein.
In seinem gestalterisch wie gedanklich faszinierenden Werk lädt der Künstler die Betrachter immer wieder in so originäre wie imaginäre Räume ein, die das Thema der idealen Stadt, des metaphysischen Kunstraumes klug variieren. Mit ‹Huberville› schuf der in Berlin lebende Huber 1998 eine ganze Stadt, die im Mamco mit zahlreichen Gemälden, Prints, Plakaten und Modellbauten dokumentiert wird. In der Architektur dienen Darstellungen in verschiedenen Medien auch der Berechenbarkeit der Konstruktion, bei Huber führt das intelligente Spiel zwischen Bildern und Modellen, die sich wechselseitig reflektieren wie Bildreihen in einander gegenüberstehenden Spiegeln, weit über den Horizont des Berechenbaren hinaus. Dass er mit feiner Ironie gern so tut, als sei Kunst ein Werk von Zahlen und Massen - etwa in ‹Massgabe›, 2003 -
verdeutlicht die Werkübersicht ebenso, wie die leise Melancholie, mit der Huber das Verhältnis zwischen Kunst und Realität, aber auch das eigene Bemühen auslotet, wenn er im Textbild ‹Gross Klein›, 2001, von einem fiktiven Künstler schreibt, der «das Ganze der Welt» in einem kleinen Bild zum Ausdruck bringen will.

Bis: 06.05.2012



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Ausgabe 5  2012
Ausstellungen Cécile Bart, Thomas Huber [22.02.12-06.05.12]
Institutionen Mamco Genève [Genève/Schweiz]
Künstler/in Thomas Huber
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