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Besprechung
5.2012


Anna Francke :  Das Kunst(Zeug)Haus zeigt Arbeiten auf Papier aus der Sammlung Bosshard entlang von (vermeintlichen) Schweizer Qualitäten und deren jeweiligen Gegensätzen. Ein in vieler Hinsicht breites Spektrum regt ohne Anspruch auf klare Ordnung zu ausgiebigen Streifzügen an.


Rapperswil : Springende Lachse


  
Filib Schürmann · springende lachse..., 2007, Mischtechnik auf Papier, 29,7 x 21 cm. Foto: Andri Stadler


Der eigentlich anschauliche Titel ‹Springende Lachse› irritiert. Er ist einer Zeichnung von Filib Schürmann entlehnt und soll sowohl Ausstellungs- als auch Sammlungskonzept metaphorisch umreissen; sei es als schwer zu angelnder Fang oder als geistige Sprungkraft fordernde Verknüpfung. Auf den Stufen zum Obergeschoss leiten Begriffe in die thematischen Leitplanken ein: Chaos, Präzision, Ordnung, Wahnsinn, Eigensinn und Heiterkeit - zum Teil sind es gemeinhin mit der Schweiz assoziierte Qualitäten.
Bezeichnenderweise sind sie nicht als Dichotomien, sondern lose platziert. Auch die Exponate sind weder streng gruppiert noch können ihnen die Themen eindeutig zugeordnet werden. Vom Bildträger und Werkstoff Papier ausgehend, schlägt die Kuratorin Daniela Hardmeier einen Bogen von Zeichnungen und Fotografien zu Objekten, Installationen und Videos. Peter und Elisabeth Bosshard sammeln seit 1970 Schweizer Gegenwartskunst. Ihr breit angelegtes Konzept lässt Spielraum für subjektive Kriterien und kuratorische Setzungen.
Ein flexibles Netz aus formalen, motivischen oder thematischen Strängen lädt zum Schweifen ein. Die auf Zeitungsseiten collagierten Fotografien von Daniela Keiser sind neben einer grossformatigen Installation von Andreas Hofer platziert, in der bemalte und leere Flächen auf Kartons Durchsichten ermöglichen oder verdecken. Ein Blick über die Schulter leitet zu Matias Speschas Gouachen auf Zeitungspapier. Formal kaum gegensätzlicher könnten die Kohlezeichnungen weiblicher Körper von Miriam Cahn und die geschlechtslosen Figuren von Yves Netzhammer sein - dennoch sind die Körper ähnlich fragil. Das verdichtete Zentrum der Ausstellung ist eine Wand in Petersburger Hängung mit Positionen wie Uwe Wittwer, Mario Sala oder Marianne Engel. In ungewohnten Nachbarschaften schliessen sich die eingangs zitierten Gegensätze nicht mehr aus, sondern verfliessen. Die Linolschnitte und ein präzises Aquarell von Christian Rothacher sind ebenso wie die humorvollen, ungelenken Zeichnungen von Filib Schürmann eigensinnige und vielschichtige Bildfindungen.
Seit den Siebzigerjahren widmeten sich verschiedene Überblicksausstellungen in der Schweiz dem Medium Zeichnung. Im Kunst(Zeug)Haus wird die Krux, vielfältige Papierarbeiten anhand von latenten Begriffen und bedingt aussagekräftigen Kriterien zu arrangieren, nebensächlich. Denn auch so erweisen sich die punktuellen Einblicke und sprunghaften Verbindungen als äusserst anregend.

Bis: 15.04.2012



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Ausgabe 5  2012
Ausstellungen Springende Lachse. Arbeiten auf Papier [12.02.12-03.06.12]
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Institutionen Kunst(Zeug)Haus [Rapperswil-Jona/Schweiz]
Autor/in Anna Francke
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