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Besprechung
5.2012


Alice Henkes :  Tiefe und humorvolle Reflexionen über die Suche nach Einheit und Vollkommenheit verbinden sich in Anselm Stalders Werk mit einer makellos-kühlen Ästhetik. Die Ausstellung ‹Glimmende Peripherie› im Kunstmuseum Solothurn inszeniert Stalder als präziser Beobachter von Menschen und Räumen.


Solothurn : Anselm Stalder, ‹Glimmende Peripherie›


  
Anselm Stalder · As if, 2000, Öl auf Baumwolle, 230 x 170 cm


Formale Strenge und ein Reichtum an Bildern, Gedanken, Möglichkeiten begegnen sich im Werk Anselm Stalders (*1956) auf anregende Weise, wie ‹Der kleine Pavillon, noch ohne Dach›, 2011, zeigt. Je eine Hälfte des Pavillons steht an den Eingängen der westlichen und östlichen Säle. Man mag sie im Kopf zu einem vollkommenen Ganzen verbinden, das es in Wirklichkeit nur selten gibt. Die Realität gibt meist nur Einzelteile zu erkennen. Die Ganzheit bleibt Idee. Ebenso das Einssein mit anderen, wie er in ‹Verpasster Hitzepunkt›, 2011, humorvoll andeutet. Vier Scheinwerfer sind je in einen Winkel des Foyers gerückt, die Lichtstrahlen so ausgerichtet, dass sie die gemeinsame Mitte knapp verpassen. Das Nicht-Geschehende ist hier das Ereignis, dem ein Bedauern innewohnt: Es hätte ja sein können...
Der Konjunktiv ist bei Anselm Stalder von zentraler Bedeutung, besonders in den ‹As if›-Arbeiten, die als Serie selbst ein Spiel der Möglichkeiten sind. Die Titel hat Stalder bereits auf Vorrat formuliert. Im Verbund mit nachträglich zugeordneten Bildern und Objekten ergeben sie poetisch-philosophische Denkräume. Das oft ins Leere laufende menschliche Bemühen um Verständigung thematisiert eine subtile Verbindung aus zwei ‹As if›-Arbeiten. ‹As if a body could balance a thought› ist Rednerpult sowie Sockel für ‹As if a single word could center notion›, eine unter Glas liegende Gouache, die den mehrfach geknickten Schriftzug «Gedankensprung» zeigt. Das Glas ist so in den weissen MDF-Sockel eingepasst, dass ein Redner sich nur mit Mühe dahinter aufstellen kann. Sowohl Inhalt wie auch Gestus des Kommunizierens werden mit stillem Humor hinterfragt.
1982 war der in Basel lebende Künstler Anselm Stalder schon einmal im Rahmen einer Gruppenschau im Kunstmuseum Solothurn zu sehen. Eine ozeanische Skulptur aus der Sammlung des Hauses regte ihn damals zu einer Auseinandersetzung mit dem europäischen Selbstverständnis an, das im Objekt ‹Generalshut› mündete. Auch in seiner aktuellen Solo-Schau mit Werken aus zwanzig Jahren geht Stalder auf lokale Bedingungen ein. In den Objekten ‹premier esclave/deuxième esclave›, 2012, greift er die Körperlichkeit zweier Michelangelo-Skulpturen im Foyer auf. Am Computer entworfene, weiss lackierte Kuben spiegeln makellos-kühl und doch dynamisch die bewegten Körper. Stalder schafft hier eine Synthese von architektonischem Raum und menschlichem Körper in einer Figur, ist nahe am Menschen und intellektuell-distanziert zugleich.

Bis: 03.06.2012



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Ausgabe 5  2012
Ausstellungen Anselm Stalder [10.03.12-03.06.12]
Institutionen Kunstmuseum Solothurn [Solothurn/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Anselm Stalder
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