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Besprechung
5.2012


Annette Amberg :  Die erste Schweizer Einzelausstellung der jungen Zürcher Künstlerin Nuri Koerfer im Basler Ausstellungsraum ‹Oslo 10› trägt den Titel ‹hold down›. Ihr Thema ist «Coolness» - deren Faszination und Widersprüchlichkeit sowie deren unterschiedliche Ausdrucksformen.


Basel : Nuri Koerfer, ‹hold down›


  
Nuri Koerfer · Hold Down The Starring Sticks 11, 2011, Collage, Inkjet-Print auf Aluminium, 77 x 57 cm. Foto: Serge Hasenböhler


‹It is a sad and beautiful world› - Jim Jarmuschs Filme sind für viele der Inbegriff jener coolen Haltung, die das Abwarten und Beobachten postuliert und die mit einer gewissen Ziellosigkeit, Melancholie und zelebrierten Langeweile verbunden ist, wie sie nur vor dem Aufkommen der sozialen Medien zu existieren schien. Nuri Koer-fer hat ein Vokabular alltäglicher, jene Lässigkeit ausmachenden Gesten definiert und diese anschliessend in Holzskulpturen in ihrer Körpergrösse übersetzt.
‹About Cool›, 2011, sind vier Objekte, die lose nebeneinander stehen und an abstrahierte möbelartige Vorrichtungen erinnern, wie sie zu Beginn der Porträtfotografie benutzt wurden, um die Posen bei den langen Belichtungszeiten halten zu können. Schon im 17. Jahrhundert gab es sogenannte Silhouettierstühle, die zur Herstellung von Schattenrissen berühmter Persönlichkeiten dienten. Der Eindruck wird verstärkt durch die Gegenüberstellung der Skulpturen mit ‹Hold Down The Starring Sticks›, 2011, zehn digitalen Collagen, die eng nebeneinander in einer Linie an der Wand hängen und vorwiegend Silhouetten zeigen. Koerfer betont hier nicht die Individualität eines Gesichts, sondern setzt jeweils eine Pose in den Fokus. Bis auf die Körperhaltungen und einzelne Attribute wie Zigaretten oder Schmuck sind fast alle Informationen zu den Persönlichkeiten aus Film, Musik und Mode weggeschnitten. Auf Aluminium gedruckt, schimmern die Flächen spiegelartig und muten teilweise surrealistisch an, etwa wenn eine Kette, einem Mund ähnlich, auf dunklem Hintergrund schwebt oder eine kleine Zigarette wie aus dem Nichts am Bildrand auftaucht.
Bei genauerem Betrachten fällt auf, was an der «Coolness» plötzlich widersprüchlich erscheint: Eine coole Pose ist eine, bei welcher der Kopf leicht geneigt ist, sich die Person an eine Wand oder Bar lehnt oder an etwas festhält - an jemand anderem oder häufiger noch an einer Zigarette. Bei Koerfers Bildern wird deutlich, dass erst die Diagonale «Coolness» überhaupt definiert. In Anlehnung an Pistolettos performative ‹Structure for Talking Standing Up›, 1965/66, entsteht diese Haltung nur im sozialen Raum, in der Interaktion mit und Abgrenzung zu den anderen. Koerfers Arbeiten aber bleiben bildhaft,und daher passt es gut, dass sie die in Basel wohnhafte amerikanische Autorin Quinn Latimer eingeladen hat, sich in einem kurzen Prosatext dem Thema mit Worten zu nähern.

Bis: 29.04.2012



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Ausgabe 5  2012
Ausstellungen Jeroen Jacobs, Nuri Koerfer [09.03.12-29.04.12]
Institutionen Oslo 10 [Basel/Münchenstein/Schweiz]
Autor/in Annette Amberg
Künstler/in Nuri Koerfer
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