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5.2012




Basel : Ingeborg Lüscher


von: Simon Baur

  
links: Ingeborg Lüscher · unterwegs VII, 2011, Inkjet Latex auf Fotopapier, 150 x 100 cm © ProLitteris
rechts: Ingeborg Lüscher · unterwegs IX, 2011, Inkjet Latex auf Fotopapier, 150 x 100 cm © ProLitteris


Ihre Arbeiten haben immer einen Bezug zu ihrer Umgebung und ihrem eigenen Leben. Es scheint, dass die im Tessin lebende Künstlerin Ingeborg Lüscher und ihre Werke organisch zueinander finden. Das ist auch bei ‹unterwegs›, ihrer jüngsten Fotoserie, der Fall.
Oft morgens beim Laufen kommt sie an einem Ort mit fast magischer Ausstrahlung vorbei. Auf einer kleinen Wiese, und nur auf ihr, stehen einige eierförmige Steine aus Granit, auf denen sich Flechten in unterschiedlichsten Farben angesiedelt haben. Flechten gibt es seit 300 Millionen Jahren, sie bestehen aus der Kombination einer Alge und einem Pilz, die ein symbiotisches Paar bilden. Schon lange kennt Lüscher die Flechten auf diesen Steinen, doch erst kürzlich hat sie in ihnen ein Motiv für eine autonome Arbeit gesehen. Dazu kommt, und das ist kein Zufall, eine Geschichte. Die Künstlerin selbst ist eine spannende Geschichtenerzählerin und lässt sich auch von sehr alltäglichen Dingen begeistern. In einem Buch von Werner Heisenberg hat sie einen Satz gefunden, der lautet: «Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.»
Lüscher ist immer begierig darauf, zu erfahren, was Forscher und Denker anderer Disziplinen bewegt. Wie weit reicht das Vorstellbare, und wo beginnt die theoretische Unschärfe. Oder anders gefragt, wie weit ist das Bild ein reales, und wo beginnt es, sich in sphärische Dimensionen zu verschieben.
Solche Problemstellungen mitsamt den möglichen Antworten klingen in ihren neuesten Arbeiten an. Wer auf die Flechten blickt, erkennt nicht nur Farben, Formen und Strukturen. Er wird auch motiviert, sich über diese sehr spezifische Symbiose Gedanken zu machen - sich diese vorzustellen als Teilchen eines Mikrokosmos oder als Objekt eines Makrokosmos.
Lüscher bildet ihre Motive nicht bloss ab und behandelt sie als Teile eines All-Overs, sie komponiert die Bilder, wählt vor Ort den günstigsten Ausschnitt, hält ihn mit ihrer Kamera fest, ohne die Aufnahme nachträglich zu verändern. Das macht die Bilder tiefgründig, authentisch und führt zu Glaubensfragen.

Bis: 02.06.2012



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Ausgabe 5  2012
Ausstellungen Ingeborg Lüscher [02.05.12-02.06.12]
Institutionen Gisèle Linder [Basel/Schweiz]
Autor/in Simon Baur
Künstler/in Ingeborg Lüscher
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