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5.2012




Schaffhausen : Corsin Fontana


von: Lucia Angela Cavegn

  
Corsin Fontana · Ohne Titel (Überdrucke), 2011, Holzschnitt, Offsetfarbe, Auflage 2 Exemplare, 82 x 66 cm, Courtesy Tony Wuethrich Galerie, Basel


2001 erwarb das Museum zu Allerheiligen erste druckgrafische Arbeiten und Zeichnungen des Bündner Künstlers Corsin Fontana (*1944). Inzwischen umfasst der Bestand 21 Werke, welche den Grundstock der gegenwärtigen, von Hortensia von Roda kuratierten Retrospektive bilden. Die Leihgaben stammen aus dem Besitz des Künstlers, privater Sammler sowie dem Bündner Kunstmuseum. Die Ausstellung trägt den Titel ‹Painted proofs› und spielt damit auf die malerische Qualität der Abzüge an. Corsin Fontana hatte ursprünglich eine Ausbildung als Drucker absolviert und bildete sich dann autodidaktisch zum Künstler heran. Kennzeichen seines Schaffens ist der eigenwillige Umgang mit Materialien. Nicht nur seine Skulpturen, die vor drei Jahren in einer Einzelausstellung im Bündner Kunstmuseum zu sehen waren, sondern auch die Arbeiten auf Papier zeichnen sich durch ausgeprägte Eigenwilligkeit aus. Bereits in den Siebzigerjahren entstanden aussergewöhnliche Werkgruppen, welche die Gattung der Zeichnung technisch erweiterten. So bearbeitete er beispielsweise bei den ‹Brenneisenbildern› das mit Kaliumpermanganat eingefärbte Packpapier mit einem glühenden Brenneisen, während bei der Gruppe der ‹Sonnenbelichtungen› die intensive Sonnenbestrahlung auf dünnen, holzhaltigen Blättern das Negativbild des applizierten Formgebildes hinterliess. Die frühen Arbeiten weisen organische, mäandrierende Linien auf, so auch die monumentalen Holzschnitte auf Baumwolltücher und die schwarzen Pinselzeichnungen in Öl. Um 1990 wendet sich der Künstler in den ‹Oval- und Kreiskonstellationen› erstmals der geometrischen Formensprache zu.
Mit den Farbholzschnitten und den schwarzen, gitterartigen Wachskreidezeichnungen, ab etwa 2000, reduziert Fontana die Zeichnung auf Geraden, die in spannungsvollem Verhältnis zur monochromen Fläche stehen. Die strenge, schon fast asketische Gestaltung der Blätter wird durch die Sinnlichkeit des Farbauftrags gebrochen. Insbesondere die sogenannten ‹Structures› - Farbholzschnitte bzw. Drucke von zwei Platten - weisen im Detail eine raffinierte Binnenzeichnung auf, die sich von der Pinselführung ableitet, jedoch anders als in der Malerei dem Betrachter nicht als unmittelbare, sondern gedruckte Handschrift entgegentritt. Emotionalität und Reflexion halten sich die Waage, und die subtile Haptik ist ein Appell an die Schärfung der Sinne. Wesentliches Element der neuesten Arbeiten, den silberfarbenen Holzschnitten, ist das Lichtspiel an der Oberfläche und die Unschärfe der Ränder.

Bis: 27.05.2012



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Ausgabe 5  2012
Ausstellungen Corsin Fontana [19.02.12-27.05.12]
Institutionen Museum zu Allerheiligen [Schaffhausen/Schweiz]
Autor/in Lucia Angela Cavegn
Künstler/in Corsin Fontana
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