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Hinweis
5.2012




St. Gallen : Silvia Bächli


von: Gabriel Flückiger

  
links: Silvia Bächli · Rotes Zimmer, 2011/12
rechts: Silvia Bächli · Ausstellungsansicht, Kunstmuseum St. Gallen, 2012


Mit feinen Pinselstrichen zeichnet Silvia Bächli (*1956) rote Raster auf Papier. Die vertikalen und horizontalen Linien werden behutsam gesetzt und wecken den Anschein, bei einem Windstoss wie Stofffäden aus dem Bild geweht zu werden. Oftmals ist die Rasterform nur in Ansätzen angedeutet und bleibt fragmentarisch. Einzelne Linien sind unterbrochen, andere scheinen ganz verwischt. Die variantenreichen Zeichnungen atmen den Geist einer unaufdringlichen Vorläufigkeit, fern einer streng konzeptuell-seriellen Wiederholung. Dennoch weist die Präsentation der 29 Acryl- und Gouachearbeiten in Bächlis aktueller Einzelausstellung raumgreifende Qualitäten aus. Die Inszenierung der Blätter lässt die Rastermuster im Laufe der Betrachtung über die Blattgrenzen hinweg zu einem imaginativen Ganzen zusammenfliessen, und die einzelnen Zeichnungen werden zu Kristallisationspunkten eines All-Overs, das sich in den architektonischen Raum eingeschrieben hat.
Bächli zeigt ihre Zeichnungen immer in einer räumlichen Inszenierung. Diese folgt keinen klaren Regeln, sondern bietet oftmals unlineare, assoziative Zusammenhänge. Auch bei den thematischen Werkgruppen in Vitrinentischen - von Bächli als Familien bezeichnet - werden im Stile einer spezifischen Auslegeordnung Sammlungen erstellt, die genauso auf konkrete Geschichten, diffuse Empfindungen oder vage Erinnerungen anspielen.
Das zeichnerische Bild soll dabei nicht letztgültig geklärt oder mit Worten fixiert werden können, vielmehr sind die Arbeiten von einem suchenden und auskundschaftenden Moment geprägt, das zu reduzierten, aber offenen Bild-Konzentraten führt. Dementsprechend nahe dem Ungegenständlichen und Abstrahierten sind ihre aus nur wenigen Pinselstrichen bestehenden oder flächig umrissenen Körperfragmente, Landschaftssegmente oder Architekturen, welche neben den geometrischen Musterungen und organischen Netzen entstehen.
In der St. Galler Schau sind beide Aspekte - einerseits die konkrete Auseinandersetzung mit der einzelnen Pinselzeichnung und andererseits die ordnende, referierende und räumliche Zusammensetzung der Arbeiten - über mehrere Werkgruppen verfolgbar. Dies vermittelt Einsicht in ein profiliertes und eigenwilliges Schaffen, das mit überzeugender Konsequenz auch fotografische Arbeiten integriert und zu einer grundsätzlichen Schärfung der Wahrnehmung beiträgt.

Bis: 13.05.2012


Katalog, Verlag für moderne Kunst Nürnberg (Binding Sélection d'Artistes)



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Ausgabe 5  2012
Ausstellungen Silvia Bächli [11.02.12-13.05.12]
Video Video
Institutionen Kunstmuseum St. Gallen [St. Gallen/Schweiz]
Autor/in Gabriel Flückiger
Künstler/in Silvia Bächli
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