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5.2012




Zug : Anna Margrit Annen: ‹fluid›


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Anna Margrit Annen · Ohne Titel, 2010, Acryl und Lack auf Baumwolle, 100 x 110 cm
rechts: Anna Margrit Annen · Ohne Titel, 2011, Acryl auf Baumwolle, 100 x 110 cm. Fotos: Georg Anderhub


on einer Krise ist nicht zu reden, wohl aber vom Wunsch nach Standortbestimmung und Neubeginn: Vor rund drei Jahren schloss Anna Margrit Annen (*1951, Baar, arbeitet in Luzern) eine längere Phase malerischer Tätigkeit ab, die sich vor allem an Naturerlebnissen orientierte, ohne sich allerdings als Protokoll des Gesehenen zu verstehen. Danach stellte sie sich während dreier Jahre - für sich alleine, in fordernder Einsamkeit - der Frage nach dem Gewesenen und dem ungewissen Kommenden. Weder legte sich die Malerin einen Arbeitsplan zurecht noch formulierte sie Ziele; sie liess vielmehr geschehen, was sich in der Leere des Ateliers, allerdings genährt von ihrer Erfahrung der Malerei, ergab. Im intensiven Hineinhorchen in sich selbst stellten sich Früchte ein, die sie nun öffentlich macht. Annen war selber überrascht darüber, dass ein Bild sich nicht aus den vorhergehenden ergab, sondern dass jede der rund vierzig Arbeiten sich neu und aus sich selber heraus entwickelte, als eine Art Protokoll eines zeitlich begrenzten Bewusstseinszustandes, dem sich die Künstlerin vorbehaltlos zu stellen suchte. Wichtig ist für Annen dabei auch ein breites Spektrum von Sinneserfahrungen. Sie bilden ein ganzheitlich verstandenes Fundament dieser freien Malereien, in denen benennbare Gegenstände nicht auszumachen sind, in denen sich aber Anstoss für zahlreiche - und sich auch widersprechende - Assoziationen finden lassen.
Jede der Malereien fand - oft in langen und offenen Prozessen von Übermalungen - zu einer eigenständigen «Bild-Persönlichkeit». Die Arbeiten machen deutlich, dass es nicht einen möglichen, sondern viele voneinander unabhängige Wege des Denkens und Fühlens gibt, und dass die Erfahrung von Widersprüchlichkeiten eine existenzielle Erfahrung unserer Zeit ist, die, was auch für die Kunst unserer Tage gilt, geprägt ist von Strukturverlust und daraus resultierenden Freiheiten, aber auch Risiken und Ungewissheiten. So ist es auch kein Zufall, dass in manchen der neuen Malereien diese Polarität spürbar wird und dass wolkig ausgreifenden Formen oder Farbkörpern oft Ansätze von die Bildfläche überziehenden Strukturen (Gitter, Pläne, Zahlen, klar begrenzte geometrische Flächen) gegenüberstehen. Sie bezeugen ein aktuelles Zeitgefühl - freies Fliessen und feste Strukturen zugleich.

Bis: 26.05.2012



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Ausgabe 5  2012
Ausstellungen Anna Margrit Annen [14.04.12-26.05.12]
Institutionen Carla Renggli [Zug/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Anna Margrit Annen
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