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Besprechung
6.2012


Dominique von Burg :  Der junge, mit Kunstpreisen reich bedachte Künstler Danh Vô kombiniert Objets trouvés zu rätselhaften Arrangements. Sie sind voller Tücken und ein nach Exotismus hungerndes Publikum verheddert sich leicht darin. Biografisches wird zur kollektiven Geschichte.


Bregenz : Danh Vô, ‹Vô Danh›


  
Danh Vô · Oma Totem, 2009, Gegenstände aus dem Besitz der Grossmutter des Künstlers, Nguyen Thi Ty: 26'-Philips-Fernsehapparat, Gorenje-Waschmaschine, Bomann-Kühlschrank, Holzkruzifix und persönliche Eintrittskarte für ein Kasino. Geräte vom Einwanderer-Hilfsprogramm und das Kruzifix von der katholischen Kirche nach der Ankunft in Deutschland im Jahr 1980 erhalten, 220 x 60 x 60 cm, Unikat. Foto: Markus Tretter


Auch wenn der vietnamesisch-dänische Künstler Danh Vô (*1975) es gar nicht schätzt, wenn man ihn auf die Migrationsschiene festlegt, spielt er dennoch in seinen multimedialen Werken ausgiebig damit. In den Ausstellungssälen inszeniert er sein Leben als Märchen. Der Aufstieg aus dem Flüchtlingselend seiner Familie zur Anerkennung als international renommierter Gegenwartskünstler widerspiegelt sich in der auf Transparentfolien in gotischen, goldenen Lettern handgeschriebenen Erzählung von Aschenputtel. Mit echtem Blattgold sind auch eine Reihe von halb offenen Pappkartons mit den Schriftzügen von Red Label und Coca-Cola bedruckt. Zusammen mit den geöffneten und halb leeren Whiskeyflaschen evozieren sie einen Hauch von Luxus, der den Verführungen und Heilsversprechen von materiellen westlichen Werten innewohnt. Anhand von ausgewählten Objekten erzählt der Künstler Geschichten, die sich erst bei intensiver Auseinandersetzung rekonstruieren lassen. Nach dem Prinzip des Readymade gruppiert er gesampelte Fotografien, Dokumente und Objekte zu installativen Arrangements. Oft sind es biografische Begebenheiten, die ein Werk begründen und Verbindungen sowohl mit der Kriegs- und Kolonialgeschichte Vietnams herstellen als auch mit der Identitätssuche. So ist seine sexuelle Ausrichtung mit schwarzweissen, erotisch aufgeladenen Heliogravüren von jungen vietnamesischen Männern angedeutet.
Das Interesse des Künstlers an der Präsenz Frankreichs in Südostasien reflektiert die Edition mit handschriftlichen Kopien eines Abschiedsbriefes des französischen Missionars Jean-Théophane Vénard an seinen Vater kurz vor seiner Enthauptung. Gleichzeitig ist hier die Konversion von Vôs Vater zum Katholizismus thematisiert.
Der Ausstellungstitel ‹Vô Danh› geht auf ein traumatisches Erlebnis zurück, als Vô mit seinen Eltern vor einigen Jahren das Grab seines Bruders auf einem Friedhof in Vietnam suchte. «Vô Danh» war auf vielen der dort aufgestellten Kreuze und Grabsteine zu lesen, was im Vietnamesischen «ohne Namen» bedeutet. Die Nicht-Identifizierbarkeit verdeutlicht den Anspruch des Vietnamesen, mit seiner Kunst über das rein Biografische hinauszugehen, damit sich im Namenlosen die kollektive Geschichte widerspiegle und so vor dem Vergessen bewahrt werde. Nebenbei jongliert er mit den Reflexen des internationalen Kunstbetriebs auf seine abenteuerliche Biografie und konfrontiert die Besucher mit der Fragilität des Ichs.

Bis: 24.06.2012



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Ausgabe 6  2012
Ausstellungen Danh Vô - Vô Danh [21.04.12-24.06.12]
Institutionen Kunsthaus Bregenz [Bregenz/Österreich]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Danh Vô
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