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Besprechung
6.2012


Alice Henkes :  Gilles Aubry und Yves Mettler zeigen im Kunsthaus Langenthal eine gelungene Recherche zur Ortsgeschichte, welche die harte Macht wirtschaftlicher Interessen ebenso reflektiert wie die zarte Macht der Erinnerungsbilder. Fabian Chiquet begibt sich derweil mit seinen Installationen in die glänzende Welt des Pop.


Langenthal : Gilles Aubry, Yves Mettler und Fabian Chiquet


  
links: Gilles Aubry und Yves Mettler · Business, Recovery/Disaster Continuity, 2012, Kunsthaus Langenthal. Foto: Martina Flury
rechts: Gilles Aubry und Yves Mettler · Sprayerei anlässlich des ‹Tell›-Abbruchs 1981in Langenthal, aus dem Archiv des Langenthaler Tagblatts


Warum macht man Bilder? Gleich im Eingangsbereich zu ihrer thematisch dicht geknüpften Ausstellung ‹Black Move› werfen die beiden Westschweizer Künstler Gilles Aubry (*1973) und Yves Mettler (*1976) eine wesentliche Frage zur Bedeutung von Bildern und zur Kunst auf, wiewohl die beiden Fotos in der Installation ‹Jetzt ist es zu spät›, 2012, keinen Anspruch darauf erheben, Kunst zu sein. Es sind Bilder, welche die letzte Wirtin des Gasthauses Tell machte, kurz bevor und während das Gebäude im Ortskern Langenthals 1981 im Rahmen einer Militärübung in Brand gesetzt und abgerissen wurde. Der altehrwürdige ‹Tell› machte einem neuen Coop Platz. Der zweite Teil der Installation verweist auf die Asphaltmischanlagen der Langenthaler Firma Ammann, die weltweit im Strassenbau genutzt werden. Es ist eine Art Sanduhr, in der zähes Bitumen eher steht als fliesst. Gemeinsam mit dem verzagten Titel ergibt sich daraus ein Bild der Zeit als einer Kraft, die, wird sie nicht im rechten Moment genutzt, bedrückt. Doch wann ist der richtige Moment? Als kurz vor der umstrittenen Zerstörung des ‹Tell› die Worte «Widerstand hätte sich gelohnt» auf die Fassade gesprüht wurden, war er längst vorüber.
Auch wenn Experten das Gegenteil behaupten, so bleibt die Katastrophenprävention meist Wunsch. Ein Büro aus Wellkarton, ‹Business Recovery/Disaster Continuity›, 2012, in dem Texte aus kommerziellen Beschäftigungen mit Katastrophenszenarien und Punk-Songs zu lesen und zu hören sind, verdeutlicht dies. Im Nebenraum steht eine Windmaschine, ‹Black Move›, 2012, bereit, einen sinnbildlichen Sturm aufziehen zu lassen, und daneben Eimer, auf denen englische Vokabeln kleben, die zusammen mit dem Wort black Assoziationen an Unterdrückte (black skin), Aussenseiter (black sheep), aber auch an Unfalldatenspeicher (black box) wecken.
Gleissende Lichter und ein roter Teppich empfangen uns in Fabian Chiquets (*1985) Ausstellung ‹Dancing High Low›, die Erkundungen in der Welt der Popmusik versammelt. In Bildern, Videos und Installationen thematisiert der in Basel lebende Künstler und Musiker Selbstdarstellung und Wettbewerbsgeist, grosse Sehnsüchte, jähe Abstürze, kurz: das zeitlose Drama von Schein und Sein im Licht rotierender Discokugeln. Dabei gelingen ihm durchaus interessante Arbeiten, etwa sein Selbstversuch als Internet-Star auf Youtube ‹Mein Tanz›, 2008. In Werken wie ‹Overdrive Place›, 2012, jedoch reproduziert er jene glamourösen Oberflächen des Pop, die zu durchdringen er sich aufgemacht hat.

Bis: 08.07.2012



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Ausgabe 6  2012
Ausstellungen Gilles Aubry, Fabian Chiquet, Yves Mettler [03.05.12-08.07.12]
Institutionen Kunsthaus Langenthal [Langenthal/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Gilles Aubry
Künstler/in Fabian Chiquet
Künstler/in Yves Mettler
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