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Besprechung
6.2012


Dominique von Burg :  Die Kunsthalle Zürich gibt im Museum Bärengasse eine würdige Abschiedsparty. Geladen ist Olivier Mosset mit seinen Künstlerkollegen, deren Werke die altehrwürdigen Räume aus dem 17. Jahrhundert energetisieren und entgrenzen. Die Werke stehen nur für sich selbst: als Farbe, Licht und als Emotion.


Zürich : Olivier Mosset, ‹Leaving the Museum›


  
links: Olivier Mosset · Leaving the Museum, 2012, Kunsthalle Zürich im Museum Bärengasse. Foto: Stefan Altenburger
rechts: Olivier Mosset · Motor cycle Vincent, 1950, Installationsansicht Kunsthalle Zürich, 2012. Foto: Stefan Altenburger


Gross war die Gefahr, dass die letzte Ausstellung der Kunsthalle Zürich an der Bärengasse vor der Rückkehr in die renovierten und neuen Räumlichkeiten im Löwenbräu-Areal eine blutleere Veranstaltung würde. Doch ein abwechslungsreicher und humoriger Rundgang lässt die Stationen von Olivier Mossets (*1944) Leben und Werk Revue passieren, stets mit dem Blick auf seinen ungebrochenen Schaffensdrang. Denn weit davon entfernt, sich in Tuscon auszuruhen und als alternder Rocker auf seiner Harley Davidson durch die unendlichen Weiten Arizonas zu brausen - obwohl er dies regelmässig tut - hat er das schonungslose Infragestellen der traditionellen Malkultur seit seinen künstlerischen Anfängen zu einer dauerhaften künstlerischen Haltung entwickelt.
Nachdem Mosset 1962 Bern verlassen hatte, zog er mit Daniel Buren, Michel Parmentier und Niele Toroni unter dem Kollektivnamen B.M.P.T. in gemeinsamen Aktionen gegen die Kunstinstitutionen und den Kunstkanon zu Felde. Er ergründete das Wesen der Malerei, schuf stets identische Kreisbilder, schwarze Kreise von neun Zentimeter Durchmesser, und tilgte alles Handschriftliche. Dadurch reduzierte er den Bedeutungsgehalt und individuellen Charakter seiner Malerei auf null. In den Siebzigerjahren siedelte Mosset von Paris nach New York über und schuf in Anlehnung an Daniel Buren Streifenbilder, die zu monochromen oder zweifarbigen abstrakten Kompositionen führten. Zudem erweiterte er Shaped canvases in Form von Buchstaben, Sternen, Kreuzen oder Kreisen manchmal auch mit elementaren geometrischen Körpern zu sprechenden Rauminterventionen.
Im Ringen um die Grundbedingungen der Malerei bricht immer wieder die Wildheit durch. Ein Objekt der Begierde, eine ‹Vincent› von 1950, zeugt neben den Filmen ‹Run›, 2009/2011, und ‹T.S.O.Y.W.›, 2007, von Mossets Passion für Motorräder und Touren. Doch ebenso lockt die Stille und Konzentration: Ihren Anfang nahm sie an Mossets Geburtsort. Die Serie ‹Kramgasse 61›, 2012, zeigt Abbildungen der Grisaillemalereien mit biblischen Motiven von Albrecht Kauw aus dem 17. Jahrhundert, welche die Decken des Berner Altstadthauses geschmückt hatten. Ist hier seine lebenslange Passion für die Malerei begründet? Jedenfalls erweisen sich seine Werke als präzise und aufs Essenzielle reduziert. Sie widerspiegeln sein Credo einer Form von malerischer «Wahrheit», die sich auf die materiellen Gegebenheiten des Bildes wie Grösse, Format, Keilrahmen, Farbe und Duktus stützt.

Bis: 17.06.2012



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Ausgabe 6  2012
Ausstellungen Olivier Mosset [21.04.12-17.06.12]
Institutionen Kunsthalle Zürich [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Olivier Mosset
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