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Besprechung
6.2012


Franz Krähenbühl :  Paul Czerlitzki beschäftigt sich mit der Malerei oder vielmehr mit Elementen wie der Leinwand, dem Keilrahmen, der Grundierung, der Farbe und ihrem Zusammentreffen, das schliesslich in der bekannten Summe, dem Bild, mündet. Seine aktuelle Ausstellung zeugt von der intensiven Untersuchung eines Mediums.


Bern : Paul Czerlitzki


  
Paul Czerlitzki · ohne Titel, 2011, Acryl auf Leinwand, 60 x 50 cm. Foto: Dominique Uldry


Den Werken von Paul Czerlitzki (*1986, Danzig) haftet eine minimalistische Akribie an. Das 2011 entstandene Bild ‹ohne Titel› etwa zeigt ein weisses Rechteck mit einem Streifen ungrundierter Leinwand am linken und unteren Bildrand. Die Reminiszenz des in Düsseldorf lebenden Künstlers an die reduzierte und geometrische Bildsprache der Sechzigerjahre ist auch in anderen Werken festzustellen - eine visuelle Verwandtschaft mit den Vertretern der damals ebenfalls in Düsseldorf ansässigen deutschen Künstlergruppe ZERO. Mit ihrer rationalen und oftmals monochromen Ästhetik waren H. Mack, O. Piene und G. Vecker bestrebt, sich von der vorherrschenden gestischen und spirituell aufgeladenen informellen Malerei abzugrenzen. Doch mehr noch als diese treibt Czerlitzki ein konzeptuelles Interesse an den Grundlagen der Malerei an. Dabei setzt er sich mit Künstlern wie Blinky Palermo und Robert Ryman ebenso auseinander wie mit Isa Genzkens ‹Basic Research›-Serie, die ebenfalls von einer starken unmittelbaren Gestik geprägt ist. Damit hat sich der Künstler keine einfache Aufgabe gestellt, denn sein künstlerisches Interesse gilt ausgerechnet einem Medium, das in einer mehrere Jahrhunderte alten Tradition steht.
Das Bild in der Malerei bedeutet für Czerlitzki das Zusammentreffen von Material und Technik. Interessiert an den Bedingungen, die zur Einheit Bild führen, zerlegt er die darin enthaltenen einzelnen Elemente in ihre Bestandteile, um deren Aufgabe und Wirkung im Ganzen zu überprüfen. Ähnlich einem Baukastenprinzip, lässt er diese Fragmente, neu zusammengestellt, wieder zum Bild werden. Dieses ist letztlich das Resultat seiner Untersuchungen, für die er bisweilen die Leinwand dreht, zerschneidet und neu aufzieht, die Grundierung anschleift oder den Keilrahmen zerteilt. Sein konzeptueller Ansatz, der das Bild als Materialressource und Körper erfasst, ermöglicht dem Künstler ein variantenreiches Spiel. Im eingangs erwähnten Werk löste Czerlitzki die grundierte Leinwand vom Keilrahmen und montierte sie um die Breite des Rahmens verschoben erneut. Pragmatisch zeigt die nun sichtbare unbehandelte Leinwand die tatsächliche, nicht illusionistische Bildtiefe. Ebenso simpel wie raffiniert macht Czerlitzki die Architektur des Bildes sichtbar, indem er mit gleichmäs-sigem Druck die grundierte Fläche aufraut. Dabei zeigt er keine gemalte Illusion, sondern immer wieder die physische Manifestation von Bildern.

Bis: 30.06.2012



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Ausgabe 6  2012
Ausstellungen Paul Czerlitzki, Irene Schubiger [24.05.12-30.06.12]
Institutionen annex14 [Zürich/Schweiz]
Autor/in Franz Krähenbühl
Künstler/in Paul Czerlitzki
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