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Hinweis
6.2012




München : Janet Cardiff & George Bures Miller


von: Roberta, De Righi

  
links: Janet Cardiff · Playhouse, 1997, 1-Kanal-Videoinstallation (Farbe, Ton), Courtesy Sammlung Goetz. Foto: Wilfried Petzi
rechts: Janet Cardiff & George Bures Miller · The Killing Machine, 2007, Installation mit Zahnarztstuhl, S/W-Fernsehapparate, Robotertechnik, Pneumatik, Gitarre, Computer, Ton, Courtesy Sammlung Goetz. Foto: Wilfried Petzi


Ein Fusstritt, und Jimi Hendrix' geniale Anti-Version des ‹Star-Spangled Banner› dröhnt durch den Saal. Der Klang ist überwältigend und entwickelt im bis auf Box, Kabel und Nähmaschinenpedal leeren Raum eine fast greifbare Wirkung. Die Installation von Janet Cardiff & George Bures Miller aus der Sammlung Goetz ist jetzt im Münchner Haus der Kunst zu sehen.
Das technisch und ästhetisch begeisternde Œuvre des kanadischen Künstlerpaars ist Biennale-erprobt, bekam in Deutschland aber bisher nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient. Es spielt mit Elementen von visueller Kunst, Theater und Kino, und stets kommt darin der Akustik eine übergeordnete Rolle zu, die das Publikum mithilfe von Surround-Sound und binauraler Aufnahmetechnik vereinnahmt.
Nichts ist, wie es scheint, alles wird angedeutet, etwa in ‹Night Canoeing›: Darin hat man den Eindruck, man würde nachts einen abenteuerlichen Strom entlang gleiten, zwischen Alligatoren und Piranhas hindurch. Doch je länger man der Filminstallation folgt, desto wahrscheinlicher wird es, dass das Kanu, auf dem sich die Kamera befindet, auf einem völlig ungefährlichen See im Kreis herumfährt. Die Vegetation von Birken und Kiefern weist nicht gerade auf den Regenwald hin, und die Krokodile entpuppen sich als Äste oder Büschel von Seerosenblättern.
Oder das Miniatur-Kino ‹The Paradise Institute›: Darin läuft ein dramaturgisch mehrfach gebrochener Klinik-Krimi in Schwarzweiss. Am Ende des filmischen Alptraums taucht ein brennendes Haus in leuchtendem Multicolor auf - als könnte das zugleich Anfang der Erinnerung des ans Bett gefesselten Protagonisten sein.
Cardiff & Bures Miller fordern den Betrachter auf drei Ebenen heraus: Durch die Geräusche wird er Teil der Installation, sie täuschen zusammen mit dem Environment, dem Mini-Kinosaal, eine Zuschauer-Situation vor; das Sichtbare ist quasi der ‹Film im Film›, der aus rätselhaften Versatzstücken besteht. Das eigentliche Drama findet im Kopf statt.
Diese Kunst ist von sinnlicher Opulenz und intellektueller Klarheit, sodass ihre Bedeutung im Zeitalter digitaler Massenmanipulation nicht hoch genug geschätzt werden kann. Höhepunkt der Schau ist die komplexe ‹Killing Machine›: Eine technoid-bizarre, mitunter komische Todes-Maschinerie, die in ihrer perfiden Perfektion beängstigende Faszination hervorruft.

Bis: 08.07.2012



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Ausgabe 6  2012
Ausstellungen Janet Cardiff, George Bures Miller [13.04.12-08.07.12]
Institutionen Haus der Kunst München [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
Künstler/in Janet Cardiff
Künstler/in George Bures Miller
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