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Besprechung
7/8.2012


Gisela Kuoni :  Es ist keine der üblichen Skulpturenausstellungen, die das Stadtbild prägen. Elf Künstler/innen haben sich auf einen Park eingelassen, sich intensiv mit Ort und Geschichte des barocken Gartens auseinandergesetzt und mit subtilen Eingriffen eine sehenswerte Attraktion geschaffen.


Chur : ‹Säen, ernten, glücklich sein›


  
links: huber.huber · Inkreis, 2012, Kunstrasen, ø720 cm. Foto: Ralph Feiner
rechts: Carmen Müller · Die Loge an der Buche, 2012, Rundbank mit Lehne in Holzkonstruktion, H73cm, ø930 cm. Foto: Ralph Feiner


Nur die Leihgaben von Hans Josephson, eine Halbfigur und drei Reliefs, existierten bereits und bilden temporär eine wunderbare Verbindung zur viel diskutierten ‹Liegenden› in der nahen Poststrasse. Den nur bei Dunkelheit sichtbaren Auftakt bilden züngelnde Flammen aus einem Video von Ursula Palla, die das gewaltige Denkmal des Bündner Kriegshelden Benedikt Fontana am Eingang des Parks heraufkriechen und diesen sekundenlang in ein leuchtendes Flammenmeer tauchen. Die Künstlerin bedenkt mit ihrer Arbeit die Bedeutung und die Vergänglichkeit solcher Monumente. Der Titel ‹Placebo II› gibt vielleicht die Antwort.
Not Vital lässt mit ‹Fontana› aus einem dreiarmigen Bronzebäumchen mit kargem Blattwerk ein barockes Wasserspiel in die Blumenrabatte spritzen. Im Kubus der einstigen Orangerie erhebt sich ein weisses Zelt, in welchem Muriel Baumgartner auf hohen Beeten sorgsam behütet und mehrsprachig beschriftet «Unkraut» kultiviert, ‹Sonderausschuss›-Pflanzen, die im gepflegten Garten eigentlich eliminiert werden. Wunderbar bewegt sich Roman Signers rotes Kajak im kreisrunden Wasserbecken wie eine Kompassnadel im Wind und verändert je nach herabstürzender Wassermenge seine Melodie. Katja Schenker nimmt die klare geometrische Form des Gartens in einer mächtigen weissen, verschiebbaren Betonkugel auf, die Zwillingsbrüder huber.huber setzen mit ‹Inkreis› eine barocke Kreisform aus pflegeleichtem Kunstrasen in die Wiesenfläche und Carmen Müller erstellt eine monumentale Begegnungsplattform als kreisrunde begehbare Bank um eine majestätische Blutbuche. Lutz & Guggisberg nehmen in ihrer ‹Baumschule› das Thema Zucht aufs Korn. Ihre Baumskulpturen, an Pfählen festgebundene, pseudo-veredelte Konstrukte, bilden einen Laubengang. Eine Audioarbeit vermittelt weitere Gedanken zu Ordnung, Zucht und Züchtigung. Remo Albert Alig bespielt den Park mit einer dreiteiligen Werkfolge, in welcher er den Weg der alchimistischen Verwandlung thematisiert. Vom Hüpfspiel ‹Himmel und Hölle› aus schwarzen Steinen geht es zu ‹Arcadia› - einer Inschrift, herausgelöst aus der natürlichen Patina einer verwitterten Mauer bis hinauf in die ‹Baumkrone› des riesigen Spitzahorns, wo sich im dichten Blattwerk eine Krone aus Messing verbirgt. Statt hindurchzueilen, bleibt man stehen, liest Inschriften und setzt sich fast spielerisch und doch ernsthaft mit ihnen auseinander. Was will man mehr? Kuratoren: Luciano Fasciati und Nicole Rampa.

Bis: 28.10.2012


Fontana Park, mit Rahmenprogramm und Publikation



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Ausgabe 7/8  2012
Ausstellungen Säen, ernten, glücklich sein [06.05.12-28.10.12]
Institutionen Fontanapark [Chur/Schweiz]
Autor/in Gisela Kuoni
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