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Besprechung
7/8.2012


Pablo Müller :  ‹Art and the City› zeigt 43 Werke und Projekte herausragender internationaler Gegenwartskunst im Stadtraum von Zürich. Die Kulisse für den auf 2 Millionen budgetierten Event bildet der im Umbau befindliche Stadtteil Zürich West, der Zürich als Kultur- und Kreativstadt neu positionieren soll.


Zürich : Art and the City


  
links: Ai Weiwei · Sofa in White, 2011, Marble, Courtesy the artist and Galerie Urs Meile, Beijing-Luzern, Location: Paradeplatz
rechts: Jürgen Drescher · House of Carpets, 2012, Aluminum, Courtesy the artist and Mai 36 Galerie, Zürich, Location: Hof Bahnhofstrasse 41


In einer einmaligen Kooperation der Stadt Zürich und der in Zürich West ansässigen Galerien sowie mit der Unterstützung privater Sponsoren präsentiert ‹Art and the City› den Sommer über herausragende internationale Gegenwartskunst im Zürcher Stadtraum. Die Künstlerliste ist ein Who is Who der aktuellen Kunstproduktion. Mit zwei übergrossen Figuren in Gussbeton ist der amerikanische Künstler Paul McCarthy vertreten. Im Entrée des Schiffbaus zeigt Fred Sandbank eine wunderbar filigrane Schnurarbeit. Prominent auf dem Paradeplatz platziert, sind zwei Couch- Sessel in weissem Marmor von Ai Weiwei zu sehen.
‹Art and the City› ist Teil einer Imagekampagne der Stadt Zürich im Rahmen des Umbaus von Zürich West. Die Kunst soll hier belebend wirken, den Passanten Momente der Identifikation bieten und Zürich stärker als Kultur- und Kreativstadt positionieren. Von der Kunsthalle, den finanzkräftigen Galerien bis zum Off Space wirken viele mit. Dabei ist es grundsätzlich erfrischend, wie ‹Art and the City› in der städtischen Repräsentation den Akzent pointiert auf Internationalität setzt und kulturelle Überlappungen dabei als selbstverständlich voraussetzt. Zumal sonst in der Schweiz gemeinhin eher eine Verschiebung zu ‹von der Region für die Region› und der von vielen Seiten proklamierten Rückbesinnung auf die ländlichen Wurzeln der Schweiz zu beobachten ist. Auch ist es wunderbar zu sehen, wie für einmal Zürich als Ort hochkarätiger internationaler Gegenwartskunst im Stadtraum für jeden sichtbar wird.
Trotzdem bleibt beim Anblick einiger Arbeiten ein fahles Gefühl zurück. So wirken die verformten, in sich verdrehten Pfosten der deutsch-iranischen Künstlerin Bettina Pousttchi harmlos. Auch das ‹House of Carpets› von Jürgen Drescher, das als prekäre Architektur in der glatt designten Umgebung zwar einen Bruch markiert, bestätigt einen statischen, am Objekt orientierten Skulpturbegriff. Bei solchen Werken stellt sich die Frage, was geblieben ist von der Idee einer Kunst als antagonistisches Moment im öffentlichen Raum, wie es beispielsweise im Rahmen des Forschungsprojektes Kunst Öffentlichkeit Zürich vor ein paar Jahren an der ZHdK eingehend diskutiert wurde. Was einem bei ‹Art and the City› begegnet, hat damit auf jeden Fall wenig zu tun. Der öffentliche Raum wird hier nicht als ein gesellschaftlich umkämpfter sichtbar, sondern als ein neutralisierter, architektonischer Raum aufgefasst, den es wie in einem White Cube lediglich mit Kunst zu dekorieren gilt.

Bis: 23.09.2012



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Ausgabe 7/8  2012
Ausstellungen Art and The City [09.06.12-23.09.12]
Institutionen Öffentlicher Raum Zürich-City/Zürich-West [Zürich/Schweiz]
Autor/in Pablo Müller
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