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Besprechung
7/8.2012


Françoise Theis :  Wieder zu Besuch in Basel - die Künstlerin verbrachte schon 2001 ein Jahr als Stipendiatin im Laurenz-Haus -, zeigt Hilary Lloyd ihre bisher grösste Einzelausstellung. Waren in den Neunzigerjahren bewegte Menschen das Sujet, so thematisiert Lloyd nun ihre eigene Bewegung und das Filmen von Unbewegtem.


Basel : Hilary Lloyd


  
Hilary Lloyd · Jewellery, 2012, 3 JVC LCD 42” Monitors, 3 Western-Digital-HD-Media-Players, Unicol Twin Column Mount


Bloss als Videokünstlerin möchte Hilary Lloyd nicht wahrgenommen werden, auch wenn sie sich unterdessen, wie wenige ihrer Zeitgenossen, ausschliesslich auf das Medium Video konzentriert. Die für den Turner-Preis 2011 nominierte Künstlerin sieht sich auch als Bildhauerin und versteht es, in einer Mischung aus verspielter Leichtfüssigkeit und kalkulierter Strenge ebenso als Architektin, Designerin, Malerin, Konzeptkünstlerin, Szenografin und Fotografin aufzutreten. Aus einem breiten Verständnis für Fläche und Raum, Bild und Bewegung sowie für Licht und Farbe schöpft sie ihre quantitativ und qualitativ überbordende Produktion. Zusätzlich versteht es die Künstlerin, unendlich viele Gegensätze - Abstraktion-Figuration, Körper-Geist, Stillstand-Bewegung, Inhalt-Form, Ratio-Intuition usw. - zu verweben.
Welches sind die Zutaten des Filmischen? Zeit, Bewegung, Licht. Auf diese drei Komponenten könnte die Ausstellung heruntergebrochen werden. Lloyd lässt Licht in das Museum fliessen, indem sie alle Fenster öffnet. Damit erschliesst sie der Wahrnehmung nicht nur den Bau, sondern auch dessen unmittelbare Umgebung. Steht man beispielsweise zwischen den Räumen von ‹Motorway›, 2010, und ‹Building›, 2011, so zeigt der Blick durch die gegenüberliegenden Fenster, dass man sich gleichzeitig im Erdgeschoss wie im Keller befindet.
Durch die Eingriffe Lloyds werden die Ausstellungsräume und das Museumsgebäude zu dreidimensionalen Bildschirmen. Im Laufe eines Tages wie im Laufe des Sommers ändern sich die Lichtverhältnisse, die Schattenwürfe der Rasterfenster, das Zusammenspiel von Innen und Aussen. Dabei erweist sich das Museumsgebäude filmischer als jeder Film - nicht als Aneinanderreihung von Einzelbildern, sondern als steter Fluss, der sich durch die einfache Geste des Öffnens des Museums ganz von selbst bildet. Hilary Lloyd - also doch eine Videokünstlerin, durch und durch.
Als Schlusspunkt: ‹Jewellery›, 2012, ein gerade noch rechtzeitig zur Schau fertig gewordenes Werk, entpuppt sich frech als «Kronjuwel». Hilary Lloyd beendet nämlich den vordergründig in Schwarzweiss gehaltenen Parcours mit einem rosafarbenen blumigen Augenzwinkern. Erkennen können wir es - falls uns dies nach so viel angestrengtem Schauen noch gelingt -, wenn wir mit den Augen blinzeln.

Bis: 16.09.2012



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Ausgabe 7/8  2012
Ausstellungen Hilary Lloyd [12.05.12-16.09.12]
Institutionen Kunstmuseum Basel/Gegenwart [Basel/Schweiz]
Autor/in Françoise Theis
Künstler/in Hilary Lloyd
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