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7/8.2012




Zug : Christoph Rütimann


von: Niklaus Oberholzer

  
Christoph Rütimann · Ausstellungsansicht, 2012. © Pro Litteris


Seit Jahren pflegt das kleine Kunsthaus Zug intensive, auf mehrere Jahre angelegte Sammlungsprojekte mit Künstlern wie Achermann, Eliasson, Kawamata, Pepperstein oder Tuttle. Und seit Jahren zielt Direktor Matthias Haldemann mit seiner Museumstätigkeit über die Kunsthausmauern hinaus in den öffentlichen Raum der Stadt. Kawamata war mit seinen Installationen ein Beispiel, ebenso Jo Achermann, der mit seinen Pavillons auf städtebaulich neuralgische Punkte in der Lorzenebene aufmerksam machte. Das neue Projekt ‹hand lauf kunst haus zug› mit dem, im Thurgau lebenden Christoph Rütimann (*1955) verbindet die langfristige, auf die Sammlung bezogene Zusammenarbeit mit einer Reflexion über die Stellung des Kunsthauses im kulturellen Umfeld der Stadt. Während die Zusammenarbeit erst am Anfang steht und offen bleibt, ist die Institution Kunsthaus wesentlicher Gegenstand der aktuellen Ausstellung Rütimanns, der seine bereits lange Reihe von ‹Handlauf›-Videos mit zwei neuen Arbeiten zur Zuger Situation erweitert.
Für diese ‹Handlauf›-Videos führt der Künstler jeweils eine kleine Handkamera Geländern, Rohren, Brüstungen usw. entlang, um über diese unendlichen Linien - ein wesentliches Thema von Rütimanns Arbeit überhaupt - Stadt- und Landschaftsräume (u.a. in Zürich, Venedig, Berlin, Seoul, Peking, Budapest, Wien) buchstäblich erfahrbar zu machen. In Zug nun zog Rütimann eine ‹Handlauf›-Linie aus dem Kunsthaus nach Norden bis zum Haus der Familie Kamm, die ihre Sammlung mit bedeutender österreichischer Kunst der Moderne als Dauerleihgabe dem Kunsthaus gab. (Einige Werke aus der Sammlung, u.a. von Gerstl und Klimt, sind in die Präsentation einbezogen.) Eine zweite Linie zieht sich vom Kunsthaus nach Süden bis zum alten Spital, dem geplanten neuen Standort des erweiterten Kunsthauses. Daraus ergibt sich eine Verortung des Museums in der Stadt, die nach dem Herkommen und damit nach der Vergangenheit der Institution fragt und diese Frage mit der Gegenwart im aktuellen Haus und zugleich mit der Zukunft der Institution verbindet. Gleichzeitig ergibt sich eine enge Verknüpfung mit Menschen dieser Stadt: Die komplexen ‹Handlauf›-Projekte konnten ja nur realisiert werden mit dem Einverständnis oder gar der Mitarbeit der an Kunst vielleicht überhaupt nicht interessierten Haus- und Grundbesitzer, durch deren Liegenschaften - Gärten, Keller, Zimmer usw. - sich die Linien ziehen.
Rütimann zeigt in einer fast verwirrlich dichten Installation zusätzlich seine bisherigen ‹Handlauf›-Arbeiten, womit er wiederum eine Brücke schlägt - diesmal vom dunklen Kellerraum in die «grosse weite Welt». Dazu gibt es ein packendes ‹Handlauf›-Video in 3D aus der Zuger Ausstellung ‹Solothurn meets Zug. Höhepunkte zweier Sammlungen› . Rütimann bettet all das anhand einiger weniger Beispiele wie Zeichnungen, Hinterglasmalereien oder Waage-Skulpturen ein in sein gesamtes Schaffen.

Bis: 12.08.2012



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Ausgabe 7/8  2012
Ausstellungen Christoph Rütimann [02.06.12-12.08.12]
Institutionen Kunsthaus Zug [Zug/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Christoph Rütimann
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