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Besprechung
9.2012


Pablo Müller :  Die Bilder, die Craigie Horsfield in seiner Einzelausstellung in der Kunsthalle Basel zeigt, verbinden kultisch religiöse Rituale mit Weltpolitischem. Im Grossformat erzählen sie von Momenten, die jenseits von Begriffen wie Rationalität, Raum und Zeit liegen. Endzeitstimmung macht sich breit.


Basel : Craigie Horsfield, ‹Slow Time and The Present›


  
Craigie Horsfield · v.l.n.r.: The Arciconfraternity of Santa Monica, Chiesa SS. Annunziata. Sorrento, April 2010, 2012, Tapisserie; Via Carozza, Nola. June 2008, 2012, Fresko, Tintenstrahldruck, Holz, Gips, Aluminium, Wachs; Broadway, 14th day, 18 minutes after dusk. New York, September 2001, 2012, Tapisserie. Foto: Serge Hasenböhler


Einzig ein paar Sitzbänke teilen den weiten, hell mit Oberlicht ausgeleuchteten Raum im ersten Stock der Kunsthalle. Sie laden das Publikum ein, die ausgestellten Werke in Ruhe und mit Zeit zu betrachten. Diese Form der individuellen Rezeption steht jedoch in Kontrast zu Craigie Horsfields Auswahl unheimlich bis düsterer Darstellungen von Kollektivereignissen. In ‹Via Carozza, Nola. June 2008› drängen sich Männer dicht aufeinander. Mit teils aufgerissenen Augen, gespannten Körpern, stemmen sie in einer Prozession ein Tragwerk durch die Strassen der Kleinstadt Nola. Das Bild - ein Ausschnitt dieser religiös ergriffenen Gruppe - ist auf ein monumentales Format vergrössert. So entsteht eine Nähe zu den Ausstellungsbesuchenden, die unweigerlich ins Geschehen hinein gezogen werden. Das Unheimliche liegt dabei weniger in den Kräften, die in diesem kultischen Ritual angerufen werden, als in der Gegenwart eines kollektiven, religiösen Taumels.
Die meisten der präsentierten Werke sind Tapisserien. ‹Via Cocozza, Nola. June 2008› ist jedoch aus Gips, Holz und Aluminium gefertigt und mit Tintenstrahl bedruckt. Als Vorlage für die in der Kunsthalle gezeigten Arbeiten diente digitales Bildmaterial, das Horsfield in aufwendigen technischen Reproduktionsverfahren in Wandbilder übertrug. Bei der Vergrösserung und Übersetzung in diese die Materialität betonenden Medien erhalten die dargestellten Szenen eine starke Präsenz.
‹The Arciconfraternity of Santa Monica, Chiesa SS. Annunziata. Sorrento. April 2010› ist mit seinen zwanzig Metern Länge und fünf Metern Höhe das grösste der gezeigten Werke. Zu sehen sind in weisse Kutten gekleidete Gestalten. In Gruppen stehen sie herum, einige scheinen im Gespräch, andere richten ihre Kapuzen. Dieser faszinierenden und gleichzeitig befremdlichen Szenerie ist eine Ikone der jüngsten Geschichte gegenübergestellt. Das Trümmerfeld des Ground Zero kurz nach den Anschlägen des 11. September 2001. Die von Craigie Horsfield hier als Vorlage gewählte Aufnahme stilisiert dieses Weltereignis zu einer Art apokalyptischem Inferno. In Kombination mit den weiss gekleideten Gestalten und den ekstatisch ergriffenen Männergruppen entfaltet die dichte Ausstellung eine Art Endzeitstimmung. Dabei bleibt offen, ob nun göttliche Kräfte oder eben doch nur allzu Menschliches dahinter steckt.

Bis: 26.08.2012



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Ausgabe 9  2012
Ausstellungen Craigie Horsfield [09.06.12-26.08.12]
Institutionen Kunsthalle Basel [Basel/Schweiz]
Autor/in Pablo Müller
Künstler/in Craigie Horsfield
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