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9.2012




Basel/Riehen : Jeff Koons


von: Yvonne Ziegler

  
links: Jeff Koons · New Hoover Convertible, 1980, Staubsauger, Acryl und Leuchtstoffröhren, 142,2 x 57,2 x 57,2 cm, Rubell Family Collection, Miami. Foto: Douglas M. Parker Studio
rechts: Jeff Koons · Cake, 1995-97, Öl auf Leinwand, 318,5 x 295,6 cm. Foto: Jim Strong


Alles so schön bunt hier! Der amerikanische Künstler Jeff Koons (*1955) hat eine künstlerische Therapie der Selbst­akzeptanz entwickelt: «Egal, worauf du reagierst, es ist perfekt, deine Geschichte und dein eigener kultureller Hintergrund sind perfekt.» Augenscheinlich sucht er nach Versöhnung mit der eigenen Vergangenheit, erklärt seine eigenen sexuellen Schuld- und Schamgefühle zur gesellschaftlichen Dimension unserer Zeit und begründet so sein Bedürfnis nach Perfektion, Reinheit und Erlösung. Dabei bedient er sich beim Formen- und Themenrepertoire der Kinder- und Märchenwelt, der Kunstgeschichte sowie der Religion und der Warendisplays. Seine provokanteste Serie, in der er sich beim Geschlechtsverkehr mit dem Pornostar Cicciolina, seiner späteren Frau, darstellt, fehlt in der Basler Präsentation. Stattdessen werden die Werkgruppen ‹The New›, 1980-87, ‹Banality›, 1988, und ‹Celebration›, seit 1994, gezeigt, deren Titel durchaus als künstlerisches Programm gelesen werden können.
Ehemals brandneue Staubsauger und Teppichschamponierer stehen auf Leuchtstoffröhren in Plexiglasvitrinen. Sie knüpfen an Diskurse um Readymades, Warenfetische, Minimal- und Pop Art an. Doch während es Marcel Duchamp um ein möglichst banales beliebiges Objekt ging, das per Deklaration zum Kunstwerk wird, transportieren Koons Geräte Inhalte wie Reinheit - sie entfernen Schmutz - und unvergängliche, perfekte Daseinsformen, sie sind «atmende Maschinen» mit sexuellen Konnotation en, die nie benutzt werden. Mittlerweile haben sie dennoch eine angenehme Patina angesetzt. Bei ‹Banality› handelt es sich um überdimensionierte Bärchen, Schweine, Engel oder Trickfilmfiguren, die von spezialisierten Kunsthandwerkern in Holz, Porzellan oder Spiegelglas hergestellt und signiert wurden. Die sexuelle Ebene ist insbesondere bei einer kindlichen Paradiesdarstellung und Pink Panther mit Blondine deutlich herausgearbeitet. Was wäre Koons ohne Balloons? Die riesigen, farbig glänzenden Ballonhunde und -schwäne, die den Umraum samt Betrachter verzerrend spiegeln, verweisen zusammen mit knallbunten Gemälden auf Festzeiten: Jahrmarktszauber, Ostereier, Spielzeug, Sahnetorten und Geburtstagshüte. Jedoch, Koons' Sohn wurde bei einem solchen Fest von seiner Exfrau entführt. Erstaunlich biografisch ist dieses Werk, das so offenkundig auf die alles verbindende und erlösende Oberfläche des Kitsches setzt.

Bis: 02.09.2012



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Ausgabe 9  2012
Ausstellungen Jeff Koons [13.05.12-02.09.12]
Institutionen Fondation Beyeler [Basel/Riehen/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Jeff Koons
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