Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
9.2012




Basel/Riehen : Philippe Parreno


von: Yvonne Ziegler

  
links: Philippe Parreno · Continuously Habitable Zones aka C.H.Z., 2011, Standbild, Courtesy Galerie Esther Schipper
rechts: Philippe Parreno · Marilyn, 2012, Standbild, Courtesy Pilar Corrias Gallery


Die Vorstellung von Leben im All fasziniert. In der Astrobiologie werden mit Continuously Habitable Zones (C.H.Z.) Bereiche benannt, in denen die hierfür notwendigen Elemente existieren. Wahrscheinlich wäre es ein kleiner Planet mit zwei Sonnen. Der französische Künstler Philippe Parreno (*1964, Oran, Algerien) präsentiert in der Fondation Beyeler einen Film mit poetisch suggestiven Bildern und vibrierenden Klängen, der die Besonderheit eines solchen Zwergensonnenplaneten visualisiert: Seine Vegetation wäre schwarz. Tuschezeichnungen von Schlinggewächsen, Erdhöhlen, dunklen Wäldern, Wurzelwerk und ausgetrockneten Flussbetten bildeten den Grundstock, anhand dessen ein Landschaftsarchitekt eine «biologie noir» bestehend aus verkohltem Holz, Glassplittern und seltenen Pflanzen wie Schwarzen Orchideen, Darmera oder Black Aenium schuf. Diese Filmlandschaft wurde anschliessend mit einem Day-for-Night-Verfahren aufgenommen, die Klänge beruhen auf Aufnahmen von Erdbewegungen. Noch bevor man den Filmraum betritt, hört man sie. Es flackern die Lichter an den gläsernen Marquees (leuchtende Vordächer, wie sie einst an Theatern oder Kinoeingängen befestigt waren).
Im Nebenraum eröffnet sich eine weitere faszinierende Filmwelt. Diesmal ist es eine Suite im Waldorf Astoria Hotel New York, die Marilyn Monroe einst bewohnte. Ihre reproduzierte Stimme, Beschreibungen des Raumes, ein schreibender Füllhalter, ein schrillendes Telefon, Blumen, Zeitschriften und an der Fensterscheibe herabrinnender Regen suggerieren die Anwesenheit der Abwesenden. Es ist, als schaue man mit ihren Augen durch die Kamera. Doch die Illusion ihrer Anwesenheit wird am Ende dekonstruiert. Und wiederum ergänzen Zeichnungen, Handschriftliches auf Hotelpapier den Film.
Parreno, der Mitte der Neunzigerjahre zu jenen Künstlern zählte, die Nicolas Bourriaud mit dem Begriff «Esthétique Relationnelle» belegte, hat sich von jenen Werkformen entfernt, die Beziehungen unter Menschen stifteten. Das deutete sich bereits in der Kunsthalle Zürich an, wo 2009 mehrere Marquees, ballonartige Sprechblasen sowie Monsterzeichnungen auf Folien zu sehen waren. Er ist den Weg ins Filmische weitergegangen und schenkt jedem Besucher zum Abschied eine DVD, die sich selbst löscht, wenn man sie abspielt. Er möchte Erinnerungen hervorrufen, dafür sollte man sich vorher auf diese wunderbaren Filme eingelassen haben.

Bis: 30.09.2012



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 9  2012
Ausstellungen Philippe Parreno [10.06.12-30.09.12]
Institutionen Fondation Beyeler [Basel/Riehen/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Philippe Parreno
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=120815153629987-16
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.